Die Top 5 + 1 türkischer Kult-Serien

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Ab den 90er Jahren öffneten sich die Türen für die Serienkultur auch in der Türkei. Meine Elterngeneration verabredete sich sogar, um gemeinsam Westernfilme und -serien zu schauen. Ab dem Millenium entwickelte dann die türkische Serienindustrie langsam ihre eigene Identität. Ich erinnere mich, dass echte Fans sogar ihre Termine nach den Serien ausrichteten, einige verließen ihre Arbeit früher und man sah Schüler*innen über die hohen Wände des Schulgartens vor der letzten Unterrichtsstunde klettern. Çekirdek (Sonnenblumenkerne), Tee, Obst und wahlweise Bier durften beim Serienabend nicht fehlen. Auch der Gossip und die Spekulationen über die neuesten Folgen in den Pausen unter den Koleg*innen und Schüler*innen gehörten dazu. Die folgenden fünf sind natürlich nur eine kleine Auswahl der unzähligen populären Seifenopern, die die türkische TV-Landschaft produzierte.

Quelle: www.imdb.com

Ìkinci Bahar (Zweiter Frühling)

Ali Haydar (Şener Şen) ist ein erfolgreicher Kebab-Meister im beschaulichen Stadtteil Samatya. Hanim (Türkân Şoray), eine charismatische Frau, fängt bei Ali an zu arbeiten. Die beiden Verwitweten verlieben sich ineinander, während der Streit unter ihren Kindern immer größer wird. Doch das größte Problem ist die reiche Nebenbuhlerin Hanims, Neriman. Die Intrigen von Neriman treffen die Familie psychisch und finanziell, was Ali Haydar, Hanim und die Kinder jedoch gleichzeitig enger zusammenschweißt. Der Titel „Ikinci Bahar“ ist ein Begriff für ältere Menschen, die nach ihrer Jugend eine neue Liebe oder ein neues Vergnügen gefunden haben. Das Lied „Ikinci bahar“ von Sezen Aksu ist ein Klassiker für den Raki-Tisch.

Quelle : Twitter

Bizimkiler

Eine unvergessliche Serie über die Generationen der 40er bis 90er. Die Serie zeigt das alltägliche Leben unter NachbarInnen. Die Verwalter der Mehrfamilienhäuser werden in der Türkei unter den BewohnerInnen des Hauses gewählt. Die Hausmeister sind quasi die kleinen Superhelden dieser Häuser. Sie kümmern sich um alles wie z.B. die Bestellungen vom Supermarkt, das Putzen des Gebäudes oder die Gartenarbeit für die BewohnerInnen. Der Hausmeister wird ständig vom Hausverwalter angemeckert, dieser wird wiederum von seinen NachbarInnen kritisiert, weil der Rentner seine Nase überall hinein steckt. Der Säufer am Fenster, Sarhoş Cemil, berichtet alles seiner Frau in der Wohnung: „Sevim koş katil geldi!„ (Renne Sevim, der Möder ist da!). Es gibt diverse Charaktere, die einem auch im echten Leben bekannt vorkommen.
Die Serie brachte übrigens zwei wichtige Begriffe von der deutschen Sprache in den türkischen Slang. „Dunkof“ (Dummkopf) ist der Sohn einer Deutschen Familie im Mehrfamilienhaus. Sein Vater „Nein Davut“ beschimpft seinem Sohn, weil er oft in der Öffentlichkeit direkt oder indirekt über anrüchige Themen spricht.
Wenn man sich bei den Bayram-Besuchen mit den Großeltern profilieren möchte, sollten Charaktere wie „Sarhoş Cemil“, „Katil“ oder „Yönetici Sabri“ bekannt sein.

Quelle : www.filmsolucani.com

Avrupa Yakası (Europäische Seite)

Diese Serie war eine Alaturka Sitcom, d.h. eine die sich um das Zusammenleben der Leute, die sich mit europäischen Werten identifizieren, und denen, die eher traditionell eingestellt sind, dreht. Der Kulturkonflikt wurde jedoch ironisch dargestellt. Die Sütcüoglu Familie spielt hier die Hauptrolle, deren Tochter Asli (Gülse Birsel) bei dem modernen Magazin „Avrupa Yakasi“ arbeitet. Der wohlhabende Istanbuler Stadtteil Nişantaşı steht in der Serie im Mittelpunkt. Gülse Birsel ist auch die Drehbuchautorin der Serie und haucht den Charakteren viele witzige Eigenschaften ein.
Die komischen Szenen zwischen Makbule und Izzet werden als die Klischee-Liebesgeschichten von Yeşilçam (türkische Filmindustrie ab 50er bis 90er) nostalgiert.

Aşk-ı Memnu (Verbotene Liebe)

Hier bewahrheitet sich wieder einmal der Ausspruch „Das Buch war besser als die Verfilmung“. Die Serie basiert auf dem Roman von Halid Ziya Uşaklıgil. Adnan Bey ist ein einflussreicher Geschäftsmann, der mit seiner Tochter, seinem Sohn, seinem adoptierten Neffen und mit seinen Bediensteten in einem großen Haus lebt. Die Tochter namens Bihter mit einer machtsüchtigen Mutter, Firdevs Hanim, heiratet Adnan Bey und zieht in seine Residenz ein. Doch der Neffe Behlül und Bihter verlieben sich ineinander. Ihre heimliche Liebe nimmt am Ende jedoch eine dramatische Wende.

Quelle: Sinematurk.com

Hatırla Sevgili (Erinnere dich, Liebling)

Eine der ersten direkt politischen Serien in der Türkei, welche die Zeit vom Putsch am 27. Mai, der Todesstrafe des damaligen Ministerpräsidenten Adnan Menderes und der 60er – 70er Studentenbewegung thematisiert. Auch der Putsch vom 12. September und die Todesstrafe des minderjährigem Schülers Erdal Eren finden neben der natürlich sehr emotionalen Liebesgeschichte Erwähnung. Die Schauspielerin Beren Saat erlangte mit der Hauptrolle in dieser Serie ihren Durchbruch.

http://sonsoz.com.tr

Muhteşem Yüzyıl (Das prächtvolle Jahrhundert)

Diese neue Serie ist nicht nur in der Türkei beliebt, sie wird auch in der arabischen Welt, in Spanien, in Russland und in über 40 anderen Ländern geschaut. Ab 2011 produziert, jetzt schon Kult. Denn neben dem Erfolg löste die Serie auch große Kontroversen aus. Die Darstellung des als Helden verehrten Sultans stieß bei türkischen Konservativen im Land auf große Empörung.

Der Padischah Kanuni Sultan Süleyman verliebt sich in eine nach Istanbul gebrachte Kriegsgefängene aus Ruthenien. Sie sichert sich ganz schnell ihren Platz im Harem und schafft es, das Herz von Kanuni Sultan Süleyman zu gewinnen. Die ruthenische Frau bekommt vom Padischah den neuen Namen Hürrem Sultan, was seiner anderen Frau Haseki Sultan Mahidevran gar nicht gefällt. Schließlich heiratet Kanuni Sultan Süleyman die neue Geliebte Hürrem. Mahidevran Sultan verliert dadurch ihren „Haseki“-Titel und muss den Palast in Istanbul zusammen mit dem Prinzen Mustafa verlassen.
Die Serie ist auch bei Netflix mit deutschen Untertiteln zu finden.

Text: Ali Aydın Berk

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