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Kunst & Design

Wo sind die BIPoC der Kunstszene von Köln?

Ob Künstler*in, Galerist*in oder Museumsleiter*in, hier findest du eine kompakte Übersicht

Das Black Lives Matter Movement hat es geschafft, dass immer mehr Menschen von BIPoC geleitetes und administriertes Business unterstützen. Kunst zu schaffen, Kunst der Öffentlichkeit zugänglich zu machen oder eine Kunstausstellung zu kuratieren, ist ein Business – ein künstlerisches Business. Auch BIPoC sind ein Teil von diesem Business. Diese Kunsträume bzw. Galerien, Off-Spaces, Ateliers, Museen oder Institutionen zu besuchen und ihnen mehr Öffentlichkeit zu ermöglichen, kann für Empowerment unter BIPoC in der Kunstszene sorgen. Zumindest ist es ein erster Schritt in Richtung Gleichberechtigung.
Was man machen kann, ist eine positive Rezension auf Google Maps hinterlassen, ihnen auf Social Media folgen, mit ihren Posts interagieren, durch eine Spende mitwirken, Fördermitglied werden, sich für ihren Newsletter anmelden, sowie Freunden und Familien über die BIPoC Kunstszene erzählen.

Doch zu erkennen, welcher Kunstraum oder welche Ausstellung von BIPoC geleitet wird, ist nicht ganz einfach, vor allem nicht für Kunstlaien. Daher folgen Teaser aller aktuellen Kunst-Spaces mit BIPoC-Besetzung in Köln.

Vorab sollte umrissen werden, welche Deutschen Communities als BIPoC definiert werden. Das Akronym bedeutet Black, Indigenous und People of Color. In Amerika und ihrem tiefsitzenden Sklaverei-Hintergerund hat der Diskurs um Schwarze eine sehr bedeutende Rolle. Auch Schwarze in Deutschland erfahren Rassismus. Indigene Menschen gibt es auch in Deutschland, bspw. Mitarbeiter des Restaurants „El Inca“ in Köln. Die Inca sind die Ureinwohner von Lateinamerika. Jedoch sind auch hier einige ihrer Nachfahren in Deutschland geboren und aufgewachsen. Ob diese Community allerdings in Deutschland Diskriminierung erfährt, mag sich von der Situation in Amerika unterscheiden. People of Color bezieht sich im deutschsprachigen Raum mit Hinblick auf die Migrationsgeschichte auf Türkei-Deutsche, Korea-Deutsche, Uigurisch-Deutsche, usw.

BIPoC ist demnach ein politischer Begriff, der diejenigen Gruppen in Deutschland definiert, die aufgrund der Herkunft ihrer Großeltern oder ihres Aussehens Rassismus erfahren. Dieses systematische Definieren kann ziemlich schwierig sein, da es neben Kurdisch-Deutschen, Pakistan-Deutschen, Arabisch-Deutschen auch Portugiesisch-Deutsche, Italienisch-Deutsche oder Russisch-Deutsche gibt. So muss ehrlich überlegt werden, ob die einzelnen Communities dieselben Zugänge oder gar Privilegien genießen. Portugal und Spanien waren z.B. Kolonisten, sind christliche Länder und gehören zur EU. Sie gehören damit zum Westen. Gerne wird BIPoC mit International gleichgestellt. Dabei sollte es selbstverständlich sein, dass es sich auch bei BIPoC in Deutschland größtenteils um Deutsche handelt, die in ihrer eigenen Heimat Diskriminierung und Rassismus erfahren.

Inmitten von diesem Diskurs ist die Repräsentation von BIPoC in der Kunstszene natürlich spannend. So mag das Hervorheben und Unterscheiden von BIPoC in Galerien, Institutionen, Ateliergemeinschaften usw. erstmal unvorteilhaft erscheinen. Im englisch-sprachigen Netflix Podcast „Okay, now listen” beschreibt Sylvia Obell allerdings, dass es bequem ist, Menschen als große Gruppe zusammenzufassen, als würden alle dieselben Probleme genießen. Sie führt fort: „Wenn ihr uns alle auf diese Weise miteinander vermischt, dann ist das Auslöschung. Das erlaubt es Leuten, davon zu entkommen, People of Color nicht zu kennen mit allen Belangen, die wir haben. Das erlaubt es Leuten ein sicheres Spiel zu spielen und Risiken zu vermeiden, und es erlaubt es Leuten, sich keine Arbeit zu machen“ bzw. sich nicht um die Belange der BIPoC zu kümmern. Es ist also sehr wichtig, hier klar zu definieren und sich dem bewusst zu werden, eben auch in der Kunstszene.

Galerien/Off-Spaces

In den Ebertplatz-Passagen findet sich ein interdisziplinärer Kunstraum, der sich der Zukunft von der Kunstszene widmet. Interdisziplinär, weil neben Kunstausstellungen auch Lesungen, Konzerte und andere Events kuratiert werden. Im Gold + Beton kann man sich mit neu aufkommenden Künstler*innen connecten. Gegründet wurde der Kunstraum von Meryem Erkuş, Vera Drehbusch sowie Andreas Rohde und wird heute nur noch von Meryem Erkuş und 3 neuen Kolleg*innen geleitet.

Ob Malereien von traditionellen koreanischen Kleidungsstücken bzw. Hanbok (한복) der Künstlerin Helena Parada Kim oder real-life Stillleben von Bürogegenständen, die aus verschiedenem Stein nachgestellt wurden, in der Galerie Choi & Lager findet sich zeitgenössische Kunst im Bereich Malerei und Bildhauerei. Insbesondere südkoreanische aber auch andere internationale sowie nationale Künstler*innen stellen hier aus. 2012 wurde die Galerie von Sunhee Choi (최선희) und Jari Lager gegründet und von Jinhee Choi (최진희) geleitet. Ihren zweiten Sitz hat die Galerie in Seoul, Südkorea.

Ausstellung von Helena Parada Kim am Standort Seoul der Gallerie Choi & Lager, 2016 | Foto: Choi & Lager Gallery

Ganz neu mit dabei ist die Galerie Zarinbal Koshbakht, die im Oktober 2019 eröffnet wurde von Shahin und Manoucher. Die beiden kennen sich seit 15 Jahren und arbeiten ebenso eng zusammen mit zwei Künstlern, die sie aus Schulzeiten kennen. Shahin hat Erfahrungen in verschieden Feldern der zeitgenössischen Kunst gesammelt in Wuppertal, Bonn, London und Berlin, während er Philosophie und Germanistik in Bonn und Oxford studierte. Manoucher hat zuvor schon einen Kunstraum betrieben und Ausstellungen in Köln organisiert. Die Galerie hat ihren Schwerpunkt auf zeitgenössischer Kunst, die sie der jungen Generation näher bringen möchte. Bei der Auswahl der Künstler*innen wird neben dem künstlerischen Schaffen besonderen Wert auf Sympathie und menschliche Qualitäten gesetzt.

Installationsansicht: In the tame beast’s eye: a grotto, Brunhilde Bordeaux-Groult, Tom Hardwick-Allan, Paul DD Smith, 2020, Courtesy Zarinbal Khoshbakht | Foto: Mareike Tocha.

Auch neu in der Szene und auch in den Ebertplatz-Passagen ist das Mouches Volantes, einem unabhängigen interdisziplinären Kunstraum für bildende und darstellende Künste. Die Galerie beschreibt sich in der offiziellen Pressemitteilung folgendermaßen: „Mouches Volantes hat die Vision, eine offene, experimentelle und diskriminierungsfreie Platform zu etablieren, die kulturelle Vorurteile überwindet und das Denken abseits der ausgetretenen Pfade und Einordnungen fördert, um Künstler*innen bei der Entwicklung von neuen multidimensionalen Konzepten, Ansätzen und Positionen zu ermutigen.“ Das Mouches Volantes hat dieses Jahr den Platz des ehemaligen Bruch & Dallas eingenommen. Der Kunstraum wird geleitet von İhsan Alişan, einem freien Kurator, Kulturmanager, Eventmanager und Ingenieur aus Kars, Türkei.

Ausstellung Last Shower and a Blurry Smile von Keta Gavasheli und Andria Dolidze, Mouches Volantes 2020 | Foto: Dirk Rose

Ateliers/Studios

Der gemeinnützige Kölner Kunstverein artrmx e.V. vermietet 11 Ateliers, die sich im Atelierzentrum Ehrenfeld (AZE) befinden. In ihren Räumlichkeiten werden Ausstellungen gezeigt, die oftmals auch BIPoC Künstler*innen zeigen. Außerdem organisier das artrmx e.V. das bekannte Cityleaks Urban Art Festival. Zu den Organisator*innen gehört u.a. Iren Tonoian, die auch gleichzeitig einer der Gründerinnen des artrmx e.V. darstellt.

Installationsansicht im Atelierzentrum Ehrenfeld (AZE) des artrmx e.V. | Foto: Ansgar Hiller

Die 11 Ateliers zuvor wollen wir dieses Mal verachtfachen: Das Quartier am Hafen bietet 86 Ateliers. In dem genreübergreifenden Atelierhaus kommen Maler*innen, Performance-Künstler*innen, Kunst-Restaurator*innen, Tänzer*innen und Choreografen und viele andere Menschen aus kreativen Berufen zusammen. Austausche mit Künstler*innen aus Südafrika, Israel, Marrakesch, Kyoto und Salvador werden organisiert. Profi-Tanz-Training und Yoga-Workshops werden angeboten. Es gibt einen bekannten Ausstellungsraum, der Q18 genannt wird. Ein kleines Paradies also für Künstler*innen in Köln.
Selma Gültoprak, Peter Uka, Jarry Singla, Sumi Kim (김수미), Jin Sook Chun (전진석), Nam Tschun Mo (모남춘), Tomoko Sato (佐藤朋子), Ali Zülfikar, Behzad Mahmoudpour (بهزاد محمودپور ), Lyoudmila Livanova und Sanaz Starcic gehören zu den derzeitigen BIPoC im Quartier am Hafen.

Museen/Institutionen

Dr. Yılmaz Dziewior ist Kunsthistoriker, Kurator und der Direktor des Museum Ludwig. Er spricht kein Türkisch und er spricht auch kein Polnisch, er spricht Rheinländisch und die Sprache der zeitgenössischen Kunst. Das Museum Ludwig hat ihren Fokus auf ebendiese Kunst. Es ist das Museum, mit der größten Pop-Art Sammlung außerhalb von den USA. Dr. Yılmaz Dziewior macht derzeit einen großen Schritt für die Geschichte des Museums, denn die Sammlung, die von weißen cis-Amerikanern geprägt ist soll nun erweitert werden durch post-koloniale, feministische, indigene, afro-amerikanische und queere Positionen.
Im Hause Ludwig ist auch Janice Mitchell ziemlich vocal und aktiv. Seit 2018 forscht sie als Stipendiatin des Museum Ludwigs im Bereich zeitgenössischer Kunst und Critical Practice. Ganz aktuell hat sie die Ausstellung „Mapping the Collection“ kuratiert, im Rahmen dessen sie die US-amerikanische Kunst im Museum unter die Lupe nimmt mit den Aspekten die auch Dr. Yılmaz Dziewior für das Museum Ludwig wichtig sind.

Die Simultanhalle war ursprünglich der Prototyp für das Museum Ludwig. Sie sollte abgerissen werden. Doch die Künstlerin Eva Janošková konnte den Abriss stoppen und die Halle als freien Ausstellungsraum mit musealem Charakter manifestieren. Die Halle ist heute wiederum wegen Einsturzgefahr geschlossen. Daher finden die Ausstellungen im Außenbereich statt. Eine Neugestaltung gemeinsam mit der Stadt Köln steht zwar in Planung, doch die Zukunft der Halle ist ungewiss, denn um den Kulturstandort weiterhin zu bespielen und zu erhalten, wird auf Spenden und Fördergelder gehofft. Das Organisationsteam setzt sich zusammen aus einer freien Zahl von Künstler*innen und Kunsthistoriker*innen. Tritt eine Person heraus, empfiehlt sie ein nachfolgendes Mitglied. Die beiden BIPoC des achtköpfigen Kuratoriums sind Simone Curaj und Hannah Semsarha.

Bei Akademie denkt man typischerweise an eine Schule mit Lehrpersonen und klassischem Unterricht. Die Akademie der Künste der Welt (ADKDW) ist anders aufgebaut als es sich anhört. Statt Tafel und Frontalunterricht gibt es hier ein künstlerisches Programm, dessen Rahmen bei einem Think-Tank durch Künstler*innen, Kurator*innen, Autor*innen und Kulturwissenschaftler*innen aus aller Welt, auch Deutschland, vorgegeben wird.

Ausstellung Exophony: Spelling Identity, ADKDW 2020 | Foto: Katja Illner

Ausgestaltet durch die künstlerische Leitung, entstehen schließlich öffentlich zugängliche Veranstaltungen, die sich jenseits der eurozentrischen Betrachtungsweisen der Kunstgeschichte bewegen. Zu den BIPoC-Mitgliedern gehören Ntone Edjabe, Percy Zvomuya, Oliver Marboeuf, Kader Attia (كادير اتيا), Ala Younis (آلاء يونس), Binna Choi (최빛나), Soyoung/Jeong Kim (김소영/김정), Madhusree Dutta, Tienchi Martin-Liao (廖天琪), Dr. Mi You (由宓) und Salā Lemi Ponifasio.

Für alle, die nun wie Feuer und Flamme auf den Geschmack gekommen sind die Kölner BIPoC Kunstszene zu entdecken, empfiehlt das renk. Magazin das folgende Seiten zur Orientierung: Künstler*innenverzeichnis A-Z, Kunsträume A-Z, Aktuelle Ausstellungen über die App „DC Open“ .

Text: Duygu Özturan

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