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Gesellschaft & Geschichten

Wenn aus der Kartoffel eine beleidigte Leberwurst wird.

Polen klauen, Türken prügeln, Italiener heulen – und Deutsche kommen immer pünktlich. Wirklich? War’s das schon? Wo bleibt das vernichtende Klischee, das Vorurteil gegen die Deutschen? Wo sind die spitzzüngigen Parodien und intelligenten Karikaturen in unseren kritischen Magazinen?

Nicht falsch verstehen: Ich bin ein großer Fan von Satire und finde, dass man über alles und jeden lachen kann. Über Türken, Italiener, Polen, den Hadschi, den Papst, aber auch über die Deutschen. Und Klischees wie „Strandliegen mit Handtüchern reservieren“ oder „Sandalen mit Socken tragen“ wirken gegen die brüllenden Ausländerwitze wie eine „German Kleinigkeit“ – leicht und harmlos.

Die Schmerzgrenze bei der Selbstkritik scheint bei Deutschen schnell erreicht.

Wenn es aber darum geht, den Ausländer an seinen sensiblen Stellen zu kitzeln, sitzt man gerne in der ersten Reihe. Am liebsten saalfüllend bei großen Comedy-Shows, in denen Randgruppen über Randgruppen lachen: Juden machen Judenwitze und Türken machen Türkenwitze. Da kann man sich entspannt zurücklehnen und guten Gewissens die Lachmuskeln spielen lassen. Solange der Migranten-Stadl im Rampenlicht steht und keiner den Dönerspieß umdreht, ist alles ein großer Spaß. „Eische Rustikal“ – geht immer!

Gibt man die für uns komischen Eigenarten der Deutschen – und diese existieren wirklich – in einer lustigen Runde zum Besten, spitzen sich die Münder und Sätze wie „Das ist jetzt aber übertrieben“ oder „Stimmt ja so nicht“, bremsen den Spaß noch bevor man zur Pointe gekommen ist. „Deutsche sollen Hunde mehr lieben als Kinder? Und Gefühle lieber am Kopierer ausdrucken statt sie auszudrücken.“ Als ob.

Während wir Türken niemandem den Spaß verderben sollen, wenn türkische Fahnen durch Aldi-Tüten ersetzt und uns Viehunzucht unterstellt wird, kann aus der Kartoffel schnell eine beleidigte Leberwurst werden, wenn das nahezu übermenschlich perfekte Image einen unschönen Kratzer abbekommt.

Irgendwie auch verständlich. Es ist schließlich harte Arbeit, in allen Lebenslagen gleich einer menschlichen Wasserwaage immer korrekt sein zu wollen: politisch korrekt, verkehrstechnisch korrekt, geschmacklich korrekt, sprachlich korrekt, zwischenmenschlich korrekt. Schwächen werden schnell runtergespielt oder auf radikale Außenseiter, Betrunkene und die Bayern geschoben.

Die Einzigen, die humortechnisch richtig was abkönnen, sind die deutschen Politiker. Die stellen sich heldenhaft in den Ring und nehmen die Seitenhiebe und Faustschläge stumm auf sich. Kein Weinen, keine gerichtlichen Maßnahmen, keine Kriegsklärung – Bauernopfer im Dienste des Volkes.  Warum also dieser allgemeine deutsche Ernst, wenn auch mal der Deutsche sich bildlich gesehen auf ein Furzkissen setzt?!

Korrekterweise müsste man doch genau den gleichen Anteil einstecken können, den man selbst ausgeteilt hat. Denn komisch sind wir doch alle; der eine mehr, der andere noch mehr.

Bock auf noch mehr Meinung von Filiz? Hier ihr letzter Text, der letztens durch die Decke ging: “Du siehst doch gar nicht so kanackig aus!”

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Credits:
Text: Filiz Taşdan
Collage: Joanna Mühlbauer

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