Stolpersteine für Afrodeutsche

die Geschichte der Boholles

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Stolpersteine prägen unser Stadtbild und es sollen nun noch mehr werden. Aus der Erinnerungskultur gefallen sind bis jetzt nämlich Schwarze Familien, die als Minderheit verfolgt und vernichtet wurden. Seit über 100 Jahren leben Schwarze Menschen in Deutschland, das schließt folglich die NS-Zeit ein, doch ihre Schicksale fallen aus der Geschichtsschreibung. Die Stolpersteine sollen ihnen jetzt auch öffentlich gedenken und die geschichtlichen Leerstellen füllen. Für die afrodeutsche Familie Boholle wurden am 08.10.23 fünf Stolpersteine vor ihrer ehemaligen Wohnung in Friedrichshain-Kreuzberg verlegt. Ihre Nachfahren leben auch heute noch in Berlin, mittlerweile in der 5. Generation.

Die Geschichte der Boholles

Kolonialmigranten reisten aus den deutschen Kolonien ab Ende des 19. Jahrhunderts ins ,,Mutterland’’ deutsches Kaiserreich ein. Unter ihnen auch Josef Bohinge Boholle. Geboren in Kribi, Kamerun, kam er mit gerade einmal 16 Jahren als Teil einer Völkerschau nach Berlin. Nach Ende der Kolonialausstellung verbrachte er eine Zeit in Danzig, doch er ließ sich schließlich wieder in Berlin nieder, wo er 1909 seine Partnerin Stephanie heiratete. Sie bekamen drei Kinder: Josefa Luise, Rudolf Bohinge und Paul Artur.

Josefa Boholle arbeitete in den 30ern als erfolgreiche Tänzerin. Auch die beiden Boholle-Söhne waren im Showgeschäft tätig. 

,,Ihre Beschäftigungsmöglichkeiten wurden zunehmend begrenzt durch die nationalsozialistische Politik, die den deutschen Kulturbereich kontrollierte und die Möglichkeit von „Nicht-Ariern“ beschränkte, öffentlich aufzutreten. Alle drei waren kurze Zeit Teil der durch die Nationalsozialisten geförderten sogenannten „Deutschen Afrika-Schau“. Auch Josef trat dort auf.’’ 

1943 wurde die Wohnung der Boholles in der Alten Jakobstraße von einer Bombe zerstört. Jobbedingt zogen Stephanie, Josefa, ihr niederländischer Ehemann Cornelis van der Want und gemeinsamer Sohn Peter nach Bromberg. Josef ist nicht mitgegangen. Es wird vermutet, dass er zu diesem Zeitpunkt schon verstorben war. In Bromberg werden 1944 zunächst Stephanis Tochter Josefa und ihr Schwiegersohn ins KZ Stutthof deportiert. Ein paar Monate später wird auch Stephanie von der Gestapo verhaftet. Ihr Enkel Peter bleibt alleine zurück. 


,,Stephanie Boholle überlebte nicht. Unbekannt ist, ob sie im Gestapo-Gefängnis in Bromberg starb oder ins KZ Stutthof deportiert wurde. Cornelis, Josefa und ihr Sohn Peter überlebten diesen Leidensweg. Josefa starb am 2. Juni 1955 an den chronischen Erkrankungen, die von ihrer Zeit im Konzentrationslager Stutthof herrührten. Ihre Brüder Paul und Rudolf Boholle überlebten.’’

In der Ausstellung ,,TROTZ ALLEM: Migration in die Kolonialmetropole Berlin’’ war die Lebens- und Leidensgeschichte der Boholles für einige Monate öffentlich zu sehen. Stephanies und Josefs Urenkel Frank Boholle findet es wichtig, dass die Verfolgung der Kolonialmigranten und Afrodeutschen nicht vergessen wird und teilt seine Familienfotos deswegen gerne mit dem FHXB Museum. Und auch Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann findet: 

 „Es ist unabdingbar, dass wir uns der Kolonialvergangenheit stellen, diese aufarbeiten und sichtbar machen. Hierfür braucht es den antirassistischen und dekolonialen Perspektivwechsel.’’

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