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Musik & Tanz

Rockrebellion mal anders

AyseDeniz Gokcin brach gefühlt alle Regeln, als sie in jungen Jahren anfing, Rocklieder zu komponieren, während sie klassischen Klavierunterricht hatte. Später schrieb sie kitschige Popsongs, die sie niemandem zeigte, bis sie durch ihr Masterstudium in London den Mut bekam, ihr Ding zu machen. Heute ist die Komponistin und Pianistin bekannt für ihre Crossover Projekte, die klassische Musik mit Grunge Rock kombinieren. Nachdem sie Pink Floyd Fans begeisterte, landete das „Nirvana Project“ einen Riesenerfolg. AyseDeniz sprach mit renk. über ihre Arbeit.

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Mit welcher Musik bist du aufgewachsen und ausgebildet worden?
Meine Eltern gehören zur 68er-Generation, also bin ich mit Oldies aufgewachsen. Elvis, die Bee Gees, die Beatles und Supertramp, Bowie und Eric Clapton. Wir hatten eine riesige CD Sammlung, die von Dean Martin bis Santana, türkischem Folk bis Gospel alles beinhaltete. Meine ersten Klavierstunden erlaubten mir nicht, etwas anderes als Klassik zu spielen. Als ich damals Rocksongs komponierte, hat sich das angefühlt, als würde ich alle Regeln brechen.

In der Uni habe ich kitschige Popsongs geschrieben für irgendwelche Männer, in die ich verknallt war. Die habe ich natürlich nie jemandem gezeigt. Als ich in London meinen Master angefangen habe, hatte ich endlich das Gefühl, die Fähigkeiten und die Ausbildung zu haben, um genau das zu machen, was ich will. Mein erstes Crossover Projekt war mit einem DJ und Piazzolla Tangos. Mein Pink Floyd Tribute im Stil von Franz Liszt war ein Riesenerfolg und hat meine Karriere verändert. Plötzlich haben mir Leute zugehört. Es war eine unglaubliche Erfahrung, Pink Floyd Fans aus der ganzen Welt zu erreichen, sie wollten mehr Klassik-Arrangements!

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Wer oder was hat dich dazu inspiriert, Rock und Klassik zu verbinden?
Klassik zu spielen hat mich immer genauso fasziniert wie Rock zu hören. Ein Beispiel von vielen ist Beethovens Pathetique Sonate, das ist ein hartes Stück mit wunderschönen Höhen und Tiefen, in denen man sich verlieren kann. Ich habe auch immer Rockmusik gehört, aber hatte nie den Mut dazu, es selbst zu spielen. Bis ich wusste, dass ich die Fähigkeiten und Ausbildung einer klassischen Musikerin habe, und etwas bewegen kann. Ich wollte mich auf instrumentale Virtuosität konzentrieren, anstatt auf Worte und Gesang. Ich glaube, ein Klavier kann singen und sogar ein ganzes Orchester imitieren.

Viele deiner Zuhörer sind leidenschaftliche Rockfans, aber was halten Klassikfans deiner Erfahrung nach von dem Mix aus Grunge und Klassik?
Meine Fans sind sehr gemischt, die hören Musik ohne Diskriminierung. Qualität ist ihnen wichtiger als der Stil. Auch wenn sie zum Beispiel das Originalstück nicht mögen, vielleicht weil Grunge ihnen zu laut ist, dann geben meine Pianostücke die gleiche Aussage in einem anderen Stil an sie weiter. Auf der anderen Seite können sich Rockfans, die Klassik eigentlich langweilig finden, oft mit den bekannten Melodien identifizieren und daudrch einen Zugang zur Klassik finden.

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Wieso Nirvana?
Nirvana war eine Band, die ich als Teenie gehört habe. Aber erst später habe ich bemerkt, wie relevant ihre Musik immernoch ist. Ich glaube, dass die wachsende Welt der Selbstdarstellung in den sozialen Medien immer mehr scheinbar perfekte Profile zeigt, die aber unrealistisch sind. Junge Leute fühlen sich öfter depressiv und isoliert, weil die Gesellschaft ihnen nicht erlaubt, reale Schwäche und Abweichungen von der Perfektion zu zeigen. Nirvana stellte genau diese Unvollkommenheit dar – Cobain war eine Ikone mit vielen Probleme, aber Millionen von jungen Leuten haben zu ihm aufgeblickt. Weil er mutig war, weil er dafür stand und natürlich weil er unglaublich talentiert war. Ihm waren Marken, Geld und Ruhm egal. Als klassische Musikerin kenne ich den Stress, perfekt spielen und so aussehen zu müssen wie es erwartet wird. Ich wollte Spaß haben auf der Bühne, anziehen was ich will und den Stil spielen, der mich inspiriert.

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Glaubst du Kurt Cobain fände es gut, dass seine Rockmusik in einem ganz anderen Stil interpretiert wird?
Ich glaube diese Tribut an ihn, das Zugang zur klassischen Musik gibt, hätte ihn sehr gefreut. Ich habe mal eine Freundin von ihm bei einem Hauskonzert getroffen und sie sagte, er wäre stolz. Er würde es sehr wertschätzen, dass ich ihn nicht imitieren will, sondern auf neue Art und Weise Respekt zeige. Ich mag Coversongs nicht, die wie das Original klingen. Das Original ist immer besser, es ist sinnlos zu kopieren, denn dadurch entsteht nichts neues.

Sieh dir „Nirvana Project“ hier an:

Ihre nächsten Auftritte sind am 24. September in Tanger und am 26. September in London.

Interview: Regina Wiebe
Fotos: AyseDeniz Gokcin Press Photos

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