Psychotherapeutisches Arbeiten mit Migrant:innen

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Migration bedeutet für viele Menschen mehr als nur einen Übergang von einem Wohnort zum anderen. Sie bringt tiefgreifende Veränderungen in unterschiedlichsten Lebensbereichen mit sich und stellt somit eine mehrdimensionale Herausforderung dar.

Migrant:innen haben unterschiedliche Zugangsvoraussetzungen und Barrieren zur gesundheitlichen Versorgung. Für viele kann das Herkunftsland und die Herkunftskultur Einfluss auf die Krankheitsverarbeitung nehmen und die psychotherapeutische und medizinische Behandlung erschweren.

Aber warum ist das so?

Mangelnde Aufklärung der migrantischen Bürger:innen über die Angebote der Gesundheitsdienste, sowie ihre unzureichende Berücksichtigung bei der Planung führen dazu, dass diese Menschen oft sehr spät die richtige Behandlung in Anspruch nehmen. 

Sowohl Traumata und Gewalt im Herkunftsland, religiöse und ethnische Unterdrückung über mehrere Generationen, Familien- und Generationskonflikte, Identitätsproblematiken, individuelles und kollektives Krankheitserleben, als auch die Ausgrenzungserfahrungen im Migrationsprozess sind Kriterien und Aspekte, die bei der Begutachtung von Rehabilitanden mit Migrationshintergrund eine wichtige Rolle spielen können.Viele der Betroffenen sprechen über ihre Beschwerden so, als seien sie allein körperlich. Rückenbeschwerden, Kopf- und Unterleibsschmerzen und Magenschmerzen gehören zu den häufigsten Schmerzempfindungen.

Vermehrt kommt es dazu, dass Therapeut:innen Beschwerden von Migrant:innen psychologisch zu erklären versuchen und Patient:innen die Behandlung ablehnen, verstärkt auf ihre körperlichen Beschwerden aufmerksam machen oder ihren körperlichen Schmerz gar zu “beweisen”.
Der Umgang mit verschiedenen Krankheiten, gerade psychische Erkrankungen und Sucht, und deren Tabuisierung erschweren die Versorgung.

Viele Patient:innen verschweigen ihr Leiden und ihre psychischen Beschwerden, um ihre Familie nicht zu belasten. In anderen Fällen ist ihr Leiden so stark, dass das Verschweigen nicht mehr möglich ist und daher in einem stärkeren Maße betont wird, um zu zeigen, dass sie nicht mehr in der Lage sind ihre bisherige Rolle in der Familie auszufüllen. Kollektivistisch denkende Familien (bei der die Interessen der einzelnen Person denen der Familie untergeordnet sind) reagieren darauf häufig mit dem Übermaß an Versorgung und der ständigen Anwesenheit eines Familienmitglieds während der Krankheit um Mitgefühl und Solidarität zu bekunden.

Die Migration und der einhergehende radikale Umbruch der individuellen und der familiären Biografie kann bei Migrant:innen psychosomatisches Leiden ergeben. Bei der Behandlung ist es umso wichtiger Migrationsgeschichte, ethnische und religiöse Lebenswelten, Familienstrukturen und Sprache etc. als kulturspezifische Kenntnisse zu berücksichtigen.

Menschen allein durch ihren sogenannten Migrations- oder Fluchthintergrund zu kategorisieren, wird der Vielfalt dieser Menschen jedoch nicht gerecht. Zwar werden sie nicht bewusst wahrgenommen, aber verschiedene Lebensentwürfe von Menschen mit- und ohne Migrantionshintergrund beeinflussen sich wechselseitig. Außerdem spielen Vorurteile und Stereotypisierung auch auf Seiten der Behandelnden eine wichtige Rolle bei der Betrachtung des Problems.

Migrant:innen brauchen Psychotherapeut:innen, welche die gelernten Methoden kultursensitiv anwenden können.

 

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