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NS-Wortschatz – sprechen wir wie Nazis?

Trotz der bisherigen Aufarbeitung der NS-Zeit verwenden wir noch immer Wörter und Redewendungen, die durch den Nationalsozialismus vorbelastet sind. Ein Beispiel dafür ist der Spruch „Jedem das Seine“. Wie sich die Bedeutung im Laufe der Zeit gewandelt hat und wie wir mit der Redewendung am besten umgehen sollten, erfährst du in diesem Post. Vorab ist wichtig zu erwähnen, dass Sprache kontextabhängig ist – also ist es wichtig, wer gerade spricht und was der Kontext ist, in dem die Äußerung getätigt wird. Aber grundsätzlich ist es wichtig zu wissen, wie die Worte, die aus der NS-Zeit stammen (oder zumindest ideologisch stark mit dieser Zeit in Zusammenhang stehen), heutzutage, unter anderem von rechten Parteien, noch genutzt werden. 

Der Journalist Matthias Heine ist Autor des Buches „Verbrannte Wörter“. Bei dem Buch handelt es sich um eine Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialistischen Wortschatz, der bis in unsere heutige Zeit überlebt hat. Er selbst sagt, sein Buch soll “keine Anleitung für eine Sprachpolizei sein, die einem vorschreibt, wie man zu reden hat – sondern ein Leitfaden für “guten Stil“. Es geht ihm in seinem Buch um “Takt, Höflichkeit und historisches Bewusstsein“ im Umgang mit nationalsozialistisch geprägter Sprache. 

Problematische Begriffe:

Der Begriff “Volksverräter” steht Anfang der 1940er Jahre zum ersten Mal im Duden und wurde genutzt, um Regimekritiker zu denunzieren. Dieser Begriff wird von Rechtspopulisten und Nazis heute vermehrt verwendet. Ein anderer Begriff, der sehr häufig im rechtspopulistischen Sprachgebrauch neuerer Zeit 

vorkommt, ist „Umvolkung“. War es ein Begriff der in der Nazi-Zeit positiv konnotiert war, da man von Menschen in Osteuropa sprach die man der Nazi-Ideologie zufolge zu  Deutschen “umvolken” konnte, ist der Begriff in der heutigen rechtspopulistischen Szene negativ konnotiert. Im rechtspopulistischen Raum wird davon gesprochen, von „Umvolkung“ bedroht zu sein.

Das Wort „Gleichschaltung“ gehört zu den bekanntesten Begriffen aus dem Sprachgebrauch der Nationalsozialisten. Es ist daher höchst ironisch, wenn die AfD gegen “Gleichgestellten  Medien” wettert und damit etwas Negatives ausdrücken möchte, da genau diese Gleichstellung der Medien während der NS-Zeit positiv besetzt war.

Du bekommst keine “Sonderbehandlung” – ein Begriff, der weniger schnell als nationalsozialistisch interpretiert wird. Während der Begriff heute als Synonym der Redewendung „eine Extrawurst einfordern“ verwendet wird, bedeutete er im NS-Amtsdeutsch Mord an Sinti:ze und Rom:nja, Regimegegner:innen, Menschen mit Behinderung, Jüd:innen und Kriegsgefangennen.

Der Begriff Kulturschaffende ist ein Sammelbegriff für Künstler:innen und Intellektuelle. Das Berufsfeld war im Nationalsozialismus zwar dasselbe, der Begriff geht aber auf die Gründung der Reichskulturkammer und die “Gleichschaltung” der deutschen Kultur zurück – vorher ist es nicht nachweisbar. Alle Kunstschaffenden waren verpflichtet, ihr anzugehören. Wer keinen „Ariernachweis“ vorweisen konnte oder „entartete Kunst“ produzierte, wurde von ihr und somit auch von dem Beruf ausgeschlossen.

Aber auch Wörter wie “Eintopf”, “betreuen”, “fanatisch”, “der Deutsche” (als Kollektivsingular) oder auch das Buchstabieralpahbet (D wie Dora, war vorher D wie David), sind integraler Bestandteil des Nazi Vokabulars gewesen. Das heißt jedoch nicht, dass diese Worte nicht mehr benutzt werden dürfen. Es geht um einen bewussten Umgang mit Sprache, vor allem wenn es um sensible Themen oder Tätigkeiten als Autor*innen und Journalist*innen geht.

Gibt es Wörter, die euch überrascht haben, da sie sich unter anderem im eigenen Wortschatz wiederfinden? Wie werdet ihr in Zukunft mit diesen Begriffen umgehen?

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