adressarrow-left Kopiearrow-leftarrow-rightcrossdatedown-arrow-bigfacebook_daumenfacebookgallery-arrow-bigheader-logo-whitehome-buttoninfoinstagramlinkedinlocationlupemailmenuoverviewpfeilpinnwand-buttonpricesine-wavetimetwitterurluser-darwinyoutube
Sprache & Literatur

Verurteilt, Verstoßen, Verehrt – Nâzım Hikmet

Nâzım Hikmet – ein Schriftsteller, der jahrzehntelang in der Türkei totgeschwiegen wurde und heute als großer Poet verehrt wird.
Er wurde am 15. Januar des Jahres 1902 in Thessaloniki geboren und stammte aus einer aristokratischen Familie. Sein erstes Gedicht, Schrei der Heimat, verfasste der bei seinem Großvater aufgewachsene Nâzım mit nur elf Jahren. Sein Großvater diente dem Sultan als Gouverneur, somit fehlte es Nâzım nicht an intellektuellem Input und inspirierenden Begegnungen.

1917 ging Nâzım Hikmet nach Istanbul und besuchte die Marineakademie. Nach der Oktoberrevolution im selben Jahr, wandte sich der sozialistisch geprägte Nâzım gegen Mustafa Kemal Atatürk und floh aus dem besetzten Istanbul in eine Provinz Anatoliens. Er bevorzugte derzeit das provinzielle Leben. 1922 verließ Nâzım Hikmet die Türkei und begann in Moskau Soziologie zu studieren. Nach einer dreijährigen Ausbildung kam er zurück nach Istanbul und schloß sich der illegalen Kommunistischen Partei der Türkei an.

Nachdem 1929 sein erster revolutionärer Gedichtband 835 Satır (dt. 835 Zeilen) erschien, wurde Nâzım mehrmals inhaftiert, doch die prägendste Zeit im Gefängnis begann im Jahre 1938. Man bezichtigte ihn, durch die Publikation seiner Werke der Aufhetzung zur Meuterei. Er wurde zu achtundzwanzig Jahren Haft verurteilt.
Zu dieser Zeit entstand eine Vielzahl seiner bedeutendsten Werke.

In dem Gedicht Dort in der Festung von Bursa, lässt er uns an seinen Gedanken teilhaben:

Dein Liebster ist ein Kommunist,
der seit zehn Jahren Häftling ist
dort in der Festung von Bursá. 

Sein Herz ist wund , doch fällt er nicht,
müd ist sein Lied, doch schweigt er nicht,
sein Paradies verliert er nicht
dort in der Festung von Bursá.

Nâzım Hikmet sträubte sich gegen die Diwan-Lyrik (dt. höfische-Lyrik der Intellektuellen ) und schuf eine neue Form der Erzählung – Destan. Diese neu erschaffene Stilrichtung bewegte sich zwischen zwei Gattungen, die der Lyrik und die des Epos und behandelte Themen des alltäglichen Lebens.

Die Besonderheit des Destan beruft sich auf die „realistische Zeile“ und kann als Gegenbewegung zum „strengen“, metrischen Vers angesehen werden. Der Erneuerer der Dichtung verstand es, sich der Aufspaltung banaler Sprache zu bedienen und feinfühlig an sie heranzutreten. Er war ein außergewöhnlich abstrakter Denker, der seinen Empfindungen durch das bloße Aneinanderreihen von präzise gewählten Wörtern ein Gesicht verlieh.

Das Meer muß man sein,
e
ine bunte Wolke über dem Meer,
auf seinem Spiegel ein silbernes Schiff,
in den Wellen ein gelber Fisch,
blauer Tang auf dem Grund,
am Ufer ein nackter Mann,
der seinen Gedanken nachhängt.

Soll ich Wolke sein
oder Schiff vielleicht?

Soll ich Fisch sein
oder Tang vielleicht?

Nicht dies und nicht das, o nein,
mein Sohn, das Meer muß man sein
mit all seinen Wolken, Schiffen, Fischen und seinem Tang.

Nach etlichen Befreiungskampagnen und unter dem Druck namenhafter ausländischer Intellektueller wie Pablo Picasso, Jean-Paul Sartre und vielen anderen, kam es 1950 schließlich zu seiner Begnadigung und Entlassung aus der Haft. Im Mai des darauf folgenden Jahres verließ er abermals die Türkei, da man den Neunundvierzigjährigen zum Militär einberief. Einen Monat später entledigte man ihn der türkischen Staatsangehörigkeit. Nâzım Hikmet war es nicht vergönnt, seine letzte Ruhe in seinem geliebten Heimatland zu finden.

Nächster Artikel

renk. in Aktion

Von Bienen und Blumen

Die Bedeutung unserer türkischen Namen - Teil 2

Lust auf Lecker Newsletter?