Der Völkermord von Srebrenica

Das Größte Kriegsverbrechen seit 1945

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Vor 28 Jahren, am 11. Juli 1995 ereignete sich das größte Kriegsverbrechen in Europa seit 1945. In nur vier Tagen ermordeten dort die serbisch-bosnische Armee und serbische Milizionäre mehr als 8000 bosnische Muslime.

Geschichte

Während der Balkankriege sollte die UN-Schutzzone Srebrenica von der niederländischen Einheit Dutchbat geschützt werden. Als am 11. Juli 1995 serbische Einheiten unter der Führung von General Ratko Mladić die Stadt überrannten, widersetzen sich die nur leicht bewaffneten Blauhelme nicht. 2022 entschuldigten sich die Niederlande erstmals bei den Angehörigen der Opfer:

 „Die internationale Gemeinschaft hat beim Schutz der Menschen von Srebrenica versagt“, sagte Verteidigungsministerin Kasja Ollongren bei der Gedenkfeier in Potočari in Bosnien-Herzegowina.

Als Teil dieser Gemeinschaft trägt auch die niederländische Regierung einen Teil der politischen Verantwortung für die Situation, in der dieses Versagen geschehen konnte. Dafür entschuldigen wir uns zutiefst.

Nach dem Einmarsch der serbischen Einheiten versuchten rund 15.000 Zivilist*innen von Srebrenica durch Wälder in bosnisch-muslimisch kontrollierte Gebiete zu entkommen. Ein anderer Zufluchtsort war die UN-Basis im sechs Kilometer entfernten Dorf Potočari. Rund 25.000 Menschen drängten sich auf dem Gelände der ehemaligen Batteriefabrik, darunter hauptsächlich Frauen, Kinder und ältere Menschen.

Dort blieben sie allerdings auch nicht verschont. Schon bald trafen Mladićs Soldaten in Potočari ein und deportierten Frauen und Kinder bis kurz vor bosnisch-muslimisch kontrollierte Gebiete. Zurück blieben die Männer, fast alle im wehrfähigen Alter. 

Wir haben gefordert, dass wenn wir schon nicht auf der UN-Basis bleiben können, dass die Evakuierung ausschließlich von den Vereinten Nationen selbst durchgeführt werden sollte. Aber die niederländischen Blauhelm-Soldaten haben die Leute aufgefordert, dass sie das Gelände verlassen sollten,“ berichtet UN-Dolmetscher Hasan Nuhanovic. „Ich denke, das war der Moment, in dem die Leute realisiert haben, was wirklich passiert.Draußen steht Ratko Mladic und lässt sich filmen, wie er den Flüchtlingen eine sichere Ausreise verspricht. Busse und Lkw rollen vor. Doch dann dürfen nur Frauen und Kinder einsteigen. Die Männer werden abgeführt. 

Mladic ließ die zurückgebliebenen Männer, die meisten von ihnen im wehrfähigen Alter, an verschiedenen Orten hinrichten. Die Soldaten verscharrten die Opfer in Massengräbern, die sie später teils wieder aushoben, um die Beweise für das Kriegsverbrechen zu vertuschen. Die Überreste der getöteten Jungen und Männer wurden teils auseinandergerissen und auf andere Gräber verteilt. In den Massengräbern in Srebrenica werden deshalb noch immer vereinzelte Körperteile gefunden, die per DNA-Analyse zusammengesetzt und identifiziert werden. 

Gedenken

An jedem Jahrestag des Massenmordes werden neu identifizierte Opfer auf dem Friedhof an der Gedenkstätte Potočari bestattet. 2022 waren es insgesamt 6652 Gräber. Während 237 auf Wunsch ihrer Familien anderswo beigesetzt wurden, gelten mehr als 1000 Opfer des Kriegsverbrechens noch als vermisst. 

Der 11. Juli wurde vom Europaparlament zum Gedenktag erklärt, an dem jedes Jahr auch Teilnehmer*innen des “Marsch des Friedens” in Srebrenica eintreffen. Es handelt sich hierbei um eine viertägige Wanderung, mit der an den Fluchtversuch jener 10.000 Muslime erinnert wird, die im Juli 1995 versucht hatten, sich durch die Wälder in das 50 Kilometer entfernte Tuzla durchzuschlagen.

Inzwischen wurde das Geschehen sowohl vom Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien, als auch vom Internationalen Gerichtshof als Völkermord eingestuft. 

Außerdem mussten sich die Generäle und Soldaten der bosnisch-serbischen Armee vor Gericht verantworten. Der damalige Serbenführer Radovan Karadžić und Ratko Mladić gelten als Hauptverantwortliche für das Massaker von Srebrenica und wurden 2017 und 2019 zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.  

Quellen:

https://www.amnesty.de/informieren/amnesty-journal/bosnien-und-herzegowina-voelkermord-srebrenica-ueberlebender-autor-hasan-hasanovic-buch-rezension
https://www.deutschlandfunk.de/genozid-von-srebrenica-brisante-fragen-auch-nach-25-jahren-100.html
https://www.tagesschau.de/ausland/europa/voelkermord-srebrenica-niederlande-101.html
https://www.bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/209414/1995-das-massaker-von-srebrenica/

Text: Aylin Tuncer

 

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