adressarrow-left Kopiearrow-leftarrow-rightcrossdatedown-arrow-bigfacebook_daumenfacebookgallery-arrow-bigheader-logo-whitehome-buttoninfoinstagramlinkedinlocationlupemailmenuoverviewpfeilpinnwand-buttonpricesine-wavetimetwitterurluser-darwinyoutube
Gesellschaft & Geschichten

Zwischen Ali, Anarchie und Atatürk

Szenen aus dem Istanbuler Gazi-Viertel
Zur Bildergalerie

Die Gazi Mahallessi am Stadtrand der europäischen Seite blickt auf die näher rückenden hochgezogenen Glasfassaden des neuen Istanbuls. Der Blick auf die Türme des Kapitalismus hat etwas Symbolisches, denn das Viertel ist für seinen ausgeprägtem Protestgeist berüchtigt. Bewohnt wird es überwiegend von Angehörigen der Arbeiterklasse, Kurd*innen und Alevit*innen, die nach den Sunnit*innen die größte, aber offiziell nicht anerkannte religiöse Minderheit der Türkei bilden. Alevit*innen verstehen sich als Anhänger von Ali, den sie als Nachfolger des Propheten Mohammeds ansehen, und sind historisch wie auch gegenwärtig noch Diskriminierung ausgesetzt. Tief im Gedächtnis des Viertels und seiner Bewohner*innen verankert sind auch die massiven Proteste von 1995, die als Reaktion auf Mordanschläge auf verschiedene Cafés im Viertel ausbrachen.

Auch wenn allzu starke Proteste in den vergangenen Jahren ausblieben, ist das Stadtbild des Viertels geprägt von Plakaten etlicher linksrevolutionärer Organisationen und Graffitis mit politischen Slogans. Zudem gibt es im Gazi-Viertel noch zahlreiche Gecekondu, die als informelle Wohnviertel in türkischen Städten entstanden, und im Zuge der bauwütigen Politik der vergangenen Jahre zunehmend abgerissen werden. Die Bewohner*innen verlieren damit die Lebensgrundlage und ihre soziale Strukturen.

Während die Bilder des revolutionären Gazi-Viertels dominieren, möchte Fotograf Serkan Akın den Geist der dortigen Gecekondu festhalten bevor auch diese durch neue Bauprojekte ersetzt werden. In mehr als nur einem Haushalt treffen sich zwischen gerahmten Bildern von Ali, verblassten Fotografien des Anarchisten Deniz Gezmiş und Porträts des omnipräsenten Staatsgründers Atatürk oft die selben Charaktere wieder. In seinem Fotobuch Über Nacht Gelandet – Gecekondu im Gazi Viertel dokumentierte Akın alltägliche Szenen, Lebensräume und Begegnungen, wissend, dass sich auch das Gazi-Viertel früher oder später verändern und Teil eines neuen Istanbuls sein wird.

Akin, Serkan. Über Nacht gelandet – Gecekondu im Gazi Viertel. 2018
Mit 40 Fotografien. ISBN: 978-3-00-055646-3. Hier zu beziehen.

Fotos: Serkan Akın

Nächster Artikel

Sprache & Literatur

Tee ist nicht gleich Tee

Wie man sich als Almancı outet

Lust auf Lecker Newsletter?