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Musik & Tanz

Dein Kopf ist das Instrument

Zu Gast bei Musiker Kaan Bulak

renk. traf den Musiker Kaan Bulak in seinem Studio in Berlin-Friedrichshain. Zwischen Gitarren, Synthesizern, Computerbildschirmen und Aktivlautsprechern findet sich auch ein rotes, blechern klingendes Miniklavier. Kaan wurde in Istanbul geboren, ging in Stuttgart zur Schule und zog fürs Toningenieurstudium nach Berlin. Nun studiert er Sound Studies im Master an der Universität der Künste. Der junge Künstler hat uns erzählt, was Musik für ihn bedeutet und wie aus seinen kreativen Arbeitsprozessen elektronische Musik entsteht.

Wie bist du zur elektronischen Musik gekommen?

Zur Musik kam ich durch das klassische Klavier. Seit ich vier Jahre alt war, habe ich Klavierspielen gelernt. Dann hat mich irgendwann die Idee eingeengt immer nach Noten spielen zu müssen. Mit 18 habe ich die beiseite gelegt und mich in andere Richtungen bewegt. Ich habe eine Weile in einer Band gespielt und festgestellt, dass mich auch das Schlagzeug limitiert. Also habe ich angefangen, meine eigenen Beats zu basteln. Mittlerweile bin ich wieder zurück zur Klassik gekommen, aber diesmal nicht zum Spielen, jetzt schreibe ich selbst. Aber das ist alles noch in Arbeit. Was ich momentan produziere, ist hauptsächlich elektronisch.

Kaan Bulak © Michael Kuchinke-Hofer-9

Spielst du dabei alles selber?

Ich spiele Gitarre, Synthesizer und Klavier, mache die Beats und singe. Ich arbeite viel mit Alex (alias Contrapunkt) zusammen, der hat z.B. die Geige auf verschiedenen Tracks eingespielt. Ansonsten bin ich quasi die moderne Variante einer One-Man-Band: Diese Typen, die auf der Straße stehen mit Trommel auf dem Rücken, Schellen am Fuß, Mundharmonika und Gitarre vorm Bauch.

Übst du denn auch im klassischen Sinne?

Für mich bedeutet Üben Improvisieren. Ich setze mich ans Klavier und spiele ein paar Stunden. Die einzige Art und Weise, Musik zu lernen, ist sich mit Musikern zu umgeben und sich wahnsinnig viele Konzerte und Stücke anzuhören. Da hilft kein renommierter Professor, dem man zwei Mal wöchentlich zuhört. Ich gehe in die Philharmonie, in den Pianosalon Christophori, ins Konzerthaus, und spiele viel selbst. Hören,sehen und absorbieren, wie gute Leute spielen– so lernt man Musik.

Kaan Bulak © Michael Kuchinke-Hofer-12

Wer oder was hat dich in deiner musikalischen Laufbahn beeinflusst?

Was die Musik betrifft, bin ich mit Mozart, Bach und Beethoven aufgewachsen. Wenn ich heute mit Klassik arbeite, merke ich, dass dies stark meine Intuition geprägt hat. Die türkische Musik war mir eher fremd. Damals war mein Umfeld in Istanbul sehr westlich orientiert. Erst jetzt kann ich mich dem türkischen Musikstil öffnen. Meine Brücke dazu ist eindeutig Fazıl Say, ein türkischer Pianist, der für mich sehr inspirierend ist. Hier in Berlin habe ich viele Leute kennen gelernt, die für mich große Vorbilder geworden sind. Von den Leuten vom Label Raster-Noton habe ich sehr viel gelernt, was Beats betrifft. Zu Anfang meiner Berliner Zeit habe ich Jay Haze kennen gelernt und sein Label Contexterrior. Er ist mittlerweile ein wichtiger Partner für mich in der Produktion. Und auch Alex, Contrapunkt, ist durch das Musikmachen ein guter Freund geworden.

Also ist Musik eher was Persönliches für dich? Weniger Arbeit?

Im besten Fall denkt man darüber gar nicht nach, sondern ist einfach in der Musik in dem Moment. Musik passiert in der Wahrnehmung, das kann man nicht als Geschäft oder Business einordnen, auch wenn man in einem professionellen Rahmen arbeitet. Für mich ist Musik das zentrale Ding in meinem Leben, deswegen hängen daran auch viele Freundschaften. Man sollte Musik nie als Arbeit ansehen. Eine Weile habe ich das versucht, und für Dokumentarfilme komponiert. Aber diese Auftragsbasis hat mich zu sehr in die Richtung Nine-To-Five-Job gedrängt. Da geht viel verloren.

Kaan Bulak © Michael Kuchinke-Hofer-5

Kaan Bulak © Michael Kuchinke-Hofer-10

Man kann nicht planen, wann man kreativ ist und Ideen hat, oder?

Nein, aber ich versuche meinen Ideenrausch ein bisschen im Griff zu behalten. Ich habe mir abgewöhnt, stundenlang zu improvisieren. Nach einer Weile muss man musikalische Konzepte erarbeiten und Visionen im Kopf behalten, die man dann weiterentwickelt. Dabei ist es unglaublich schwer, etwas zu Ende zu bringen und zu sagen: Jetzt ist der Track fertig.

Wie lange arbeitest du an einem Track?

Das kann ich pauschal gar nicht sagen. Der aktuelle Track „1840“ zum Beispiel hat in seiner Entwicklung von der ersten Idee, über Neuarrangements bis heute ca. anderthalb Jahre gedauert. Dazu muss man sagen, dass alle Sounds aus einer einzigen Geige kommen. Für die Kickdrum wurde dann auf die Geige geklopft. das haben wir mit Kontaktmikrophonen aufgenommen – bis das auf einer Clubanlage richtig fetzt, vergeht viel Entwicklungszeit. Ich limitiere mich manchmal gerne auf ein Instrument. Bei „Moving Leaves“ zum Beispiel ist alles was ihr hört, meine Stimme.

Kaan Bulak © Michael Kuchinke-Hofer-6

Bist du selber auch DJ?

Ich habe das eine Weile gemacht, aber arbeite lieber im Studio. In Clubs spiele ich Live Sets, also nur meine Tracks, Remixe und Edits. Da baut man die Musik aus ihren kleinsten Schnipseln wieder neu zusammen, kann improvisieren und die Tracks ganz anders klingen lassen. Generell spiele ich aber nicht viele Gigs. In der Produktion fühle ich mich kreativer.

Ist die Technik ein Instrument in der elektronischen Musik?

Klar, der Mixer und die Programme können Instrumente sein, je nachdem, wie man sie benutzt. Dabei ist es eigentlich egal, welches Equipment man verwendet. Primär sollte man herausfinden, wie man klingen will. Natürlich muss man sich mit der Technik gut auskennen, aber wenn man sich zu sehr damit beschäftigt, macht man noch keine Musik. Letztendlich ist das Hauptinstrument sowieso im Kopf. Wenn da nichts spielt, helfen auch Technik und Instrumente nicht.

 

Eine Hörprobe zum neuen Track „1840“, dessen Sounds alle aus einer einzigen Geige stammen, gibt es hier:

 

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