Toxische Männlichkeit

Ein gefährliches Bild auf gesamtgesellschaftlicher Ebene

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Unsere heutige Gesellschaft ist noch immer von binären Ordnungsstrukturen geprägt. Binär meint in Bezug auf das Geschlecht die zwei Kategorien: männlich und weiblich. Dieses Geschlechtermodell hat zu sozialen Strukturen geführt, die Männer als das überlegene Geschlecht auf politischer, wirtschaftlicher, kultureller oder gesellschaftlicher Ebene privilegieren. Dieses Phänomen wird als Patriarchat bezeichnet, das männliche Verhaltens- und Rollenmuster als Ordnungs Grundsatz unserer Gesellschaft etabliert hat.

Die binäre Geschlechterordnung führt somit nicht nur zur Benachteiligung und Diskriminierung von Frauen, sondern auch von Menschen aus der LGBTQI+-Community. Diejenigen, die sich außerhalb der traditionellen Geschlechterkategorien einordnen oder nicht den stereotypen Rollen entsprechen, erfahren oft gesellschaftliche Stigmatisierung und Ausgrenzung.

TOXIC WHO? TOXIC WHAT?

Der Sozialisation von Männern entspringen verwurzelten Mustern. Aus der Perspektive der Mehrheitsgesellschaft gibt es vorherrschende Normen, wonach Männer bestimmte Eigenschaften und Verhaltensweisen aufweisen sollten, um als „Männer“ akzeptiert zu werden. Diese Vorstellungen von Männlichkeit können toxisch sein, für die Männer selbst und für ihr Umfeld.

Toxische Männlichkeit zeichnet sich also durch Verhaltensweisen aus, die gesellschaftlich als „männlich“ angesehen werden, allerdings schädlich und einschränkend sind.

Medien als sozialer Raum schaffen einen leicht erreichbaren Zugang zu gewissen Männlichkeitsbildern. Der Fokus in der aktuellen Medienlandschaft liegt auf Werten wie Konkurrenz zwischen Männern, Gewalt, Leistungsorientiertheit oder stereotypen und heteronormativen Beziehungs- und Frauenbildern. Dadurch wird eine sehr begrenzte Vorstellung von Männlichkeit vermittelt, die oft sexistisch, queerphob und rassistisch geprägt ist. Formate, die dies hinterfragen, werden oft an den Rand gedrängt.

Es ist problematisch, toxische Männlichkeit oder Männerdominanz ausschließlich auf eine bestimmte soziale Gruppe zu reduzieren, wie es im öffentlichen Diskurs und in den Medien oft geschieht. Insbesondere muslimische Männer sind davon betroffen. Dies ist nicht nur vereinfacht, sondern auch gefährlich, da es Vorurteile und rassistische Überzeugungen aufrechterhält und uns vom Wesentlichen ablenkt.

Toxische Männlichkeit und problematische Einstellungen finden sich in verschiedenen Gesellschaften und haben keinen direkten Bezug zu kultureller Herkunft. Vielmehr geht es um überholte Vorstellungen von Maskulinität, die in vielen Kontexten präsent sind, aber durch Traditionen verstärkt oder aufrechterhalten werden können. Letztendlich sind es unsere gesellschaftlichen Strukturen, die uns dazu bringen, uns gewissen Rollenbildern anzupassen und diese zu leben.

Das Unterdrücken oder die Projektion eigener negativer Gefühle, die Überzeugung immer stark sein zu müssen, einem heteronormativen Leben entsprechen zu müssen, dominant zu sein, Grenzen zu überschreiten, Gewalt als Lösung von Problemen anzuwenden, viel Geld haben, keine Care-Arbeit leisten. All das sind Beispiele toxischer Überzeugungen oder Verhaltensweisen.

Wird eine vermeintlich biologisch-gegebene Tatsache instrumentalisiert, um Macht auszuüben, kann dies gefährliche Folgen haben. Geschlechtsspezifische Unterdrückung und Gewalt sind hier besonders anzuführen. Geschlechtsspezifische Gewalt kann in verschiedenen Formen auftreten, darunter Demütigungen, sexuelle Übergriffe, Zwangsheirat oder Femizid – die Tötung einer weiblichen Person aufgrund ihres Geschlechts. Jede dritte Frau in Deutschland erlebt mindestens einmal in ihrem Leben körperliche oder sexualisierte Gewalt.

Ja, und jetzt?

Um geschlechtsbezogene Gewalt zu verstehen, ist es wichtig, Geschlecht als ein soziokulturelles Konstrukt (gender) zu betrachten. Frauen oder als weiblich identifizierte Personen sowie weiblich konnotierte Eigenschaften werden abgewertet und als untergeordnet gegenüber dem Männlichen betrachtet.

Rollenbilder müssen aufgebrochen werden, um bestehenden Ungleichheiten entgegenzuwirken.

Es ist von großer Bedeutung, sich selbst zu reflektieren und kritisch zu hinterfragen, woher die Konzeption und Reproduktion von Männlichkeitsbildern stammt. Insbesondere gilt dies für cis Männer, um ein besseres Verständnis für die zugrunde liegenden Mechanismen zu entwickeln.

 

 

Text: Dila Oktar

Quellen:
https://ak-feministische-geographien.org/wp-content/uploads/MA-Stephan_Schurig-Geschlechterkonstruktionen_in_der_Geographie.pdf
https://www.bug-ev.org/themen/schwerpunkte/dossiers/diskriminierung-von-trans-personen/trans-geschlechtlichkeit-hat-viele-auspraegungen/heteronormativitaet-und-das-binaere-geschlechtersystem
https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2020-12/maennlichkeit-toxische-rollenbilder-erwartung-antimuslischer-rassismus-fikri-anil-altintas-sexpodcast?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F
https://www.deutschlandfunk.de/maennerbilder-in-den-medien-wann-ist-man-ein-mann-dlf-f87a7c13-100.html
unwomen.de

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