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Essen & Trinken

Türkische Küche ohne Orient-Design und Co.

Zu Gast bei Osmans Töchter

Wo kann man in Berlin am besten türkisch Essen gehen? Nicht etwa in Kreuzberg! Denn in der Pappelallee in Prenzlauer Berg haben Arzu und Lale vor zwei Jahren ein Restaurant eröffnet, das alles hergibt, was die türkische Küche zu bieten hat – und das ohne Orient-Design und Co. Wie sie dort gelandet sind, von unerwarteten Begegnungen in der Küche und wie man Essen richtig zelebriert, haben die beiden uns erzählt.

Sigara Böreği Mix

Sigara Böreği Mix

Wie habt ihr zwei euch kennengelernt?

Arzu: Wir haben uns hier im Restaurant gegenüber kennengelernt, das hieß damals „Nosh“ und gehörte einem Freund von uns. Er ist Bosnier und hat Balkan-Abende veranstaltet vor ca. zehn Jahren. Wir haben erst mal nur „Hallo“ gesagt und uns nicht ausgetauscht.

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Wie entstand die Idee, gemeinsam ein Restaurant zu eröffnen?

Arzu: Erst mal hatte jede für sich die Idee. Lale ist eigentlich Schauspielerin, ich bin Diplom-Kauffrau. Ich hatte immer so ein Faible für Restaurants, Einrichtung und Essen. Auch wenn man es mir nicht ansieht (lacht). Wenn ich gereist bin, habe ich nach Essen Ausschau gehalten. Ich habe viele Bilder von Läden gemacht und gedacht: Wow, was für tolle Ideen! Irgendwann gab’s den Entschluss: Ich will etwas Eigenes haben! Zuhause habe ich damals immer schon Kochabende mit Livemusik organisiert. Bei Lale war es auch so ähnlich. Natürlich stellt man sich das anfangs viel einfacher vor. Abends kommen Freunde in deinem Restaurant vorbei, man trinkt, redet und macht Musik. Ich liebe das, aber man ist einfach oft erschöpft. Am Ende ist es ein Unternehmen.

Wie habt ihr die Location hier in Prenzlauer Berg gefunden?

Arzu: Lale und ich hatten eigentlich eine andere Location im Auge, die wir allerdings nicht bekamen. Dann erzählte mir ein Freund, dass der Laden gegenüber zu vermieten sei. Die Pappelallee kam für uns anfangs überhaupt nicht in Frage. Vor sieben Jahren war hier das Finanzamt und alles sah so traurig und dunkel aus. Ich bin kurz danach zufällig mit dem Rad vorbeigefahren und hab einfach mal die Telefonnummer gewählt. Hier sah alles aus wie vor 1950. In der DDR war es eine Kneipe und nach der Wende hatte das Ballhaus die Räume für Parties und dann als Büro genutzt. Da wir sehr unschlüssig waren, haben wir vom Vermieter für ein paar Tage die Schlüssel bekommen. Irgendwann haben wir dann angefangen mit Kreide die Raumaufteilung auf den Boden zu zeichnen.

Ihr sagt auf eurer Website Osmans Töchter repräsentiert das Lebensgefühl der Kulturvielfalt. Wie äußert sich das genau?

Arzu: Wir haben nicht nur regionale Küche. In der Türkei spezialisieren sich die Läden häufig auf eine Sache. Einer macht nur Lahmacun, der andere nur Kebap. Die sind dann auch sehr gut. Wir beschränken uns aber nicht darauf, sondern kochen aus z.B. der ägaischen, der Istanbuler oder der Antakya-Küche, also querbeet. Wir wollen die verschiedenen Esskulturen mit einem Lebensgefühl verbinden, das hier irgendwie in energetischer Form herumschwebt (lacht). Es fängt schon bei den Mezzes an, die man mit allen am Tisch teilt. Wenn eine größere Gruppe kommt, wählen die Leute drei Gerichte aus, die in die Mitte der Tafel serviert werden. Das hat schon etwas Familiäres, man reicht sich die Speisen gegenseitig und nimmt Rücksicht aufeinander.

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Was glaubt ihr wäre anders, wenn euer Restaurant in Istanbul liegen würde?

Lale: Wir hätten auch dort den Zeitgeist getroffen, aber wären damit nicht die Einzigen. Hier haben wir das Alleinstellungsmerkmal, indem wir gesagt haben, wir wollen ein modernes türkisches Restaurant, das sich auch äußerlich von der Konkurrenz unterscheidet.

Arzu: Der Service in der Türkei ist immer sehr gut. Das hat aber auch damit zu tun, dass das Personal wenig verdient, 5 Lira oder so pro Stunde und die sind oft nicht versichert. In so einem Restaurant wie unserem würden mindestens 4 Kellner an einem Abend arbeiten. Das könnten wir uns hier nie leisten. Die Zutaten wären auch andere: Du hättest eine reife Aubergine, die bis zum letzten Tag in der Sonne lag oder Tomaten, die nach Tomaten riechen. Hier in Deutschland muss man oft mehr nachwürzen.

Sardellen auf Blattspinat

Sardellen auf Blattspinat

Mezze: Cacık, Humus, Acılı Ezmesi, Kısır, Bohnen, Olivensalat, Rote Beete

Mezze: Cacık, Humus, Acılı Ezmesi, Kısır, Bohnen, Olivensalat, Rote Beete

Kalbsfleisch mit Pastırma Schinken + Champignonsauce

Kalbsfleisch mit Pastırma Schinken + Champignonsauce

Esst ihr privat auch türkische Küche oder sucht ihr dann eher die Abwechslung?

Arzu: In Istanbul habe ich nur Türkisch gegessen. Hier in Berlin essen wir natürlich einmal täglich in unserem Restaurant. Aber wenn ich frei habe, esse ich gern asiatische Küche. Ich liebe das, sie ist so einfach und gut.

Lale: Ich vermisse es, selber gemütlich zuhause zu kochen. Ich habe es fast verlernt. Früher, wenn meine Familie kam, habe ich für sie gekocht und alle waren begeistert. Das letzte Mal meinte meine Mutter, dass man merkt, dass ich aus der Übung käme (lacht).

Was war der verrückteste Abend, den ihr hier erlebt habt?

Arzu: Wir hatten einmal eine kleine Hochzeitsgesellschaft mit 25 Personen, das Brautpaar waren ein Grieche und eine Polin. Später wurden es immer mehr Gäste. Ungeplant wurde daraus eine Party, bei der alle auf den Tischen tanzten! Dann ist der griechische Papa in die Küche gegangen und hat Rakı mit Nelken und verschiedenen Gewürzen aufgekocht und den heißen Trunk ausgeschenkt!

Lale: Wenn Leute unseren Laden mieten, gibt’s keine Karte, sondern wir suchen vorab gemeinsam die Gerichte aus. An dem Abend ist es dann so, als ob auch wir die Gastgeber sind. Es sind diese Kleinigkeiten, die die besondere Atmosphäre ausmachen. Den Laden mit Herz zu führen und die türkische Gastfreundschaft weiterzugeben, das ist unser Ziel.

Was sind eure nächsten Pläne?

Lale: Urlaub machen! (lacht) Wir überarbeiten ja immer regelmäßig die Karte. Wenn es kalt wird gibt’s Winterküche, vielleicht diesmal einen Lammeintopf. Da gehen wir auch spontan nach dem Wetter. Neue Ideen haben wir viele, aber man muss dazu den Kopf frei haben. Wir stecken, glaube ich, noch ein bisschen in den Kinderschuhen. Die letzten zwei Jahre sind so schnell vergangen, das muss erst mal noch weiter reifen. Um Sachen neu zu gestalten, müsste man den Laden auch abgeben können. Es ist immer schön, eine Vision zu haben, sie verwirklichen zu dürfen und dann zu sehen, ob das die andere Seite auch so sieht. Es ist ein tolles Gefühl, wenn das passt.

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Fotos: Melisa Karakus

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