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Gesellschaft & Geschichten

Heldinnen – Teil 7

Türkische Frauen, die man kennen muss

Erneut haben wir drei Heldinnen für euch, die jede auf ihre Weise eine besondere Fußnote in der Geschichte hinterlassen hat. Da hätten wir Süreyya Ağaoğlu, ihres Zeichens die erste Anwältin in der Geschichte der Türkei. Safiye Ali, ebenfalls eine Wegbereiterin, allerdings im Gebiet der Medizin als erste türkische Ärztin. Und zu guter Letzt stellen wir euch Şükûfe Nihal Başar vor, eine wichtige Frau in der türkischen feministischen Bewegung.

Süreyya Ağaoğlu – Eine, die den Weg für viele ebnete

Süreyya Ağaoğlu war Schriftstellerin und Juristin – doch nicht nur irgendeine. Sie ging in die Geschichte ein als erste Anwältin der Türkei.

Süreyya, von türkisch-aserbaidschanischer Herkunft, wurde 1903 in Şuşa geboren und wurde später das älteste von fünf Kindern. Ihr Vater war Ahmet  Ağaoğlu, ein bekannter zunächst in Aserbaidschan und später in der Türkei tätiger Politiker.

Wie man mit Hartnäckigkeit Grenzen überwindet

Nachdem die Familie in die Türkei emigrierte, entschloss sich Süreyya 1920, sich in der juristischen Fakultät der Universität Istanbul für ein Studium zu bewerben. Für das Studium der Rechtswissenschaften zugelassen zu werden, gestaltete sich allerdings schwerer als gedacht. Ihre erste Bewerbung wurde abgelehnt. In einem zweiten Anlauf nahm sie allerdings mehrere Freundinnen mit zur Fakultät und setzte die Verantwortlichen so unter Druck, dass sie schließlich für das Studium zugelassen wurde, und das als erste Frau überhaupt. Sie war also maßgeblich daran beteiligt, dass die Fakultät von dem Tag ihrer Zulassung an auch für andere Frauen zugänglich war.

Entgegen dem Drängen vieler männlicher Kommilitonen weigerte sich Süreyya, ihre Haare zu bedecken.

Ein juristisches Multitalent

Seit ihrem Abschluss 1927 arbeitete sie als Anwältin und war nicht nur in der Türkei, sondern auch international auf vielen Konferenzen zugegen. Als Fremdsprachen beherrschte sie Englisch und Französisch. Süreyya war Mitglied in mehreren Vereinen und Kommissionen, wie beispielsweise seit 1948 in der in Berlin gegründeten Internationalen Juristenkommission. Selbst gründete sie die Vereine „Çocuk Dostları Derneği“ und „Hür Fikirleri Yayma Derneği“. Sie war 1949 sogar gewähltes Mitglied im Vorstand der Internationalen Juristenvereinigung.

Sie schrieb auch mehrere Bücher, inhaltlich vor allem über rechtliche Themen, aber auch eine Biographie ihres Vaters.

Süreyya Ağaoğlu starb 1989 durch eine Hirnblutung in Folge eines Sturzes.

Safiye Ali – Die erste türkische Ärztin

Nachdem wir nun die erste türkische Anwältin kennengelernt haben, wie wäre es mit der ersten türkischen Ärztin?

Geboren wurde Safiye Ali 1891 in Istanbul als jüngste von vier Schwestern. Sie verlor früh ihren Vater und wuchs bei ihrem Großvater Emin Paşa auf.

Auf Umwegen zum Ziel

Als Absolventin des Robert College in Istanbul wollte sie Medizin studieren. Frauen waren zu jener Zeit jedoch nicht für das Medizinstudium zugelassen. Deshalb fasste Safiye den Entschluss, nach Deutschland zu gehen. Dort studierte sie in Berlin und Würzburg Medizin und lernte schnell die deutsche Sprache. Sie erhielt dafür sogar ein Stipendium vom damaligen Bildungsminister Ahmet Şükrü. Im Laufe ihres Studiums spezialisierte sich Safiye auf Gynäkologie und Kinderheilkunde. Nach ihrer Dissertation und ihrer Heirat mit dem Augenarzt Ferdinand Krekeler kehrte sie nach Istanbul zurück und eröffnete dort Anfang der 1920er eine Praxis – als erste Ärztin überhaupt in der Türkei. Dort praktizierte sie unter dem Namen Ferdi Ali.

Aller Anfang ist schwer

Zunächst kam ihr wenig Vertrauen entgegen, schließlich war sie die einzige Frau in einem bis dahin ausschließlich von Männern dominierten Beruf.

Manche, die zur Behandlung in ihre Praxis kamen, wollten nicht den vollen Preis bezahlen.

Safiye erlangte allerdings das Vertrauen von Frauen, gerade aus der Unterschicht, die sie nicht nur behandelte, sondern auch über Themen wie Kinderpflege oder Ernährung beriet.

Safiye verpflichtete sich nicht nur der Heilung, sondern auch der Bildung

Sie arbeitete nicht nur als Ärztin, sondern auch als Lehrerin in einer Amerikanischen Mädchenschule. Sie schrieb außerdem mehrere Bücher sowie viele Artikel, insbesondere über Kinderkrankheiten. Neben ihrer beruflichen Tätigkeiten engagierte sich Safiye auch in der Frauenbewegung.

Sie kehrte vor ihrem Tod durch Krebs nach Deutschland zurück und starb 1952 in Dortmund.

Şükûfe Nihal Başar – Was soll eigentlich diese Geschlechtertrennung?

Şükûfe Nihal Başar wurde 1896 in Yeniköy in Istanbul geboren. Sie ging zunächst in Damaskus, dann im osmanischen Syrien zur Schule. Ihren weiteren Bildungsweg beschritt sie an verschiedensten Orten wie in Thessaloniki im osmanischen Griechenland, Beirut im osmanischen Libanon und schlussendlich in Istanbul. Sie lernte bereits zu Hause viel über Literatur, außerdem auch Persisch und Arabisch.

Schon damals betrachtete sie die Geschlechtertrennung als veraltet

Şükûfe war eine der ersten Studentinnen an der bis kurz zuvor nur für Männer zugänglichen Hochschule von Istanbul.

Die Seminare von Frauen und Männern fanden zunächst noch zum Zweck der Geschlechtertrennung zu unterschiedlichen Zeiten statt, jedenfalls bis Şükûfe ins Spiel kam. Zunächst sorgte sie als Planerin für mehrere Proteste, indem sie mit einigen Kommilitoninnen einfach dieselben Unterrichtseinheiten wie die Männer besuchte. Dann gründete sie ein Komitee, das letztendlich erreichte, dass Frauen und Männer gemeinsam unterrichtet werden dürfen. Şükûfe spielte damit eine maßgebliche Rolle in dem Kampf, der zur Aufhebung der Geschlechtertrennung an Hochschulen führte.

Von Gelehrter zur Lehrerin zur Vorreiterin für die Gleichberechtigung der Frau

Nach ihrem Studium der Geographie wurde sie Lehrerin an einem Gymnasium und im Laufe der Jahre an zahlreichen anderen Schulen in Istanbul, sowohl für Geographie als auch für Literatur.

Şükûfe schrieb auch einige Romane, Kurzgeschichten und Gedichte. Doch sie gab ihren Kampf für die Gleichberechtigung der Geschlechter nie auf, was sich auch in ihren Werken widerspiegelte, in denen Frauen meist eine wichtige Rolle einnehmen. Außerdem sollte ihren beeindruckenden Reden zufolge jede Frau einer Profession Folgen.

Bis zu ihrem Tod 1973 setzte sie sich weiter für die Frauenrechte ein und lehrte an vielen Schulen.

Bald stellen wir euch weitere Heldinnen vor, es verdienen noch viel mehr Frauen Erwähnung.

 

Text: Christian Schütt

Illustration: Binnur Çavuşlu

 

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