Humboldting!: LOL 100

Deutschlands umstrittenste Kultureinrichtung aus Sicht einer Schulklasse aus dem Märkischen Viertel

Berlin
01 - 02-07-2022

Über das Gebäude als solches, dieses neue Stück Berlin, ist kontrovers diskutiert worden. Zur gegensätzlichen Architektur, den politischen Entscheidungen im Hintergrund, der Symbolik des Ortes scheint alles gesagt und doch vieles weiterhin offen.

Wie wird aus diesem Bauwerk nun ein Forum, ein Ort für die diverse Berliner Stadtgesellschaft, als auch für Besucher*innen und Mitwirkende aus der ganzen Welt? Und was ist das Humboldt Forum eigentlich, was will, was kann es sein?
Das fragt man am besten jene, die unverblümt die Wahrheit sagen und eine ganz andere Perspektive einbringen.

Foto: David von Becker

Fünfjährige Forschung

Dazu begibt sich der kanadische Autor, Regisseur und Performer Darren O’Donnell, inspiriert von Alexander von Humboldts fünfjähriger Amerika Expedition, mit 30 Schüler*innen aus dem Märkischen Viertel, Berlin, auf eine fünfjährige Forschungsreise durch das Humboldt Forum. O’Donnell hat zuvor bereits viele Projekte entwickelt, die ungewöhnliche Wege in der Kulturarbeit, vor allem mit Jugendlichen, beschreiten.

Seine Arbeiten basieren auf gegenseitigem Vertrauen und einer ausgeglichenen Kommunikation unter allen Beteiligten. Darren O’Donnell steht Alice Fleming im Team der künstlerischen Leitung zur Seite. Die kreative Produzentin, die vor allem im Bereich Theater und Film arbeitet, konzentriert sich in ihrer kuratorischen Praxis auf soziale Projekte für und mit Menschen, die normalerweise nicht im Kunst- und Kulturbereich arbeiten.

Foto: David von Becker

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Gemeinsam mit den Schüler*innen des Berliner Thomas-Mann Gymnasiums gehen sie ganz im Sinne der namensgebenden Humboldt Brüder vor: systematisch, mutig, kreativ und voller Freude am Entdecken nehmen sie das Forum seit August 2021 und bis Juli 2026 unter die Lupe.

Foto: David von Becker

Teil 1: Was ist eine gute Frage?

Zum Start im vergangenen Jahr drehte sich alles um die Kunst und Wissenschaft des Fragens selbst. Fragen sind von zentraler Bedeutung für jedes Forschungsvorhaben, und die Definition und Verfeinerung guter Fragen ist der erste Schritt auf dem Weg zu einer Untersuchung. Die jungen Forscher*innen befragten sich gegenseitig, fühlten den Mitarbeiter*innen des Humboldt Forums auf den Zahn und nahmen ihre Eltern, ihre Geschwister und sogar Fremde auf der Straße ins Kreuzverhör.

Und es stellt sich heraus: es gibt keine langweiligen Menschen. Jede*r hat eine gute Geschichte zu erzählen, wenn die richtigen Fragen gestellt werden.

Teil 2: Wer ist das Humboldt Forum?

Nun steht der nächste Teil der Forschungsarbeit, der sich mit den Entscheidungsträger*innen des Humboldt Forums auseinandersetzt, vor dem Abschluss. Am 1. und 2. Juli werden die Jugendlichen ihre Perspektive auf die Leiter und Leiterinnen des Humboldt Forums anhand von 100 Objekten in der Performance „LOL 100“ erstmalig dem Publikum präsentieren. Die Schüler*innen waren angehalten, ihren scharfen anthropologischen Blick auf die Führungspersönlichkeiten der Kulturinstitution zu richten und wurden dazu zu Exkursionen in das private Wohnumfeld dieser Mitarbeiter*innen eingeladen.

Was ist das Lieblingsgericht des Generalintendanten? Was singt der Leiter des Veranstaltungsbereiches unter der Dusche und wohin reist die Leiterin der Akademie in den Sommerferien am liebsten? Wie sind die Führungskräfte in ihre jetzigen Positionen gekommen, welche Ausbildungen und persönlichen Entscheidungen haben zu ihnen geführt? Haben sie Sinn für Humor? Können sie kochen und wie heißen ihre Haustiere?

Das Projekt gibt einzigartige, persönliche wie ungewöhnliche Einblicke in das Leben von einigen der Menschen, die Deutschlands neueste, größte und umstrittenste Kultureinrichtung leiten. Fernab von Pressekonferenzen und Nachrichtenmeldungen. Die jugendlichen Forscher*innen haben dazu systematisch Wohnungen durchkämmt, Bücherregale durchforstet, unter Sofas geschaut, in Kühlschränke geguckt, Duschvorhänge zurückgezogen und Sockenschubladen durchwühlt, um die 100 interessantesten und bedeutsamsten Objekte zu finden. Die Schüler*innen befragten die Leiterinnen und Leiter zu diesen Fundstücken und hörten Geschichten über Liebe, Verlust, Sucht, Herzschmerz, Freude, Kindheit, Reisen, Scheitern, Erfolg – Geschichten über das Leben.

Die künstlerischen Leiter*innen haben auf zahlreichen internationalen Theaterfestivals immer wieder bewiesen, wie gleichermaßen unterhaltsam und anspruchsvoll Performance-Aufführungen mit Laien-Darsteller*innen sein können. Für die ein oder andere Überraschung ist dabei auch hier ganz sicher gesorgt.