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Musik & Tanz

Erzincan Beats auf Berliner Tanzflächen

Indie Istanbul – Cem Yıldız
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„Manchmal habe ich das Gefühl, die Leute mit Musik zu heilen“, sagt Cem Yıldız. „In solchen Momenten sind alle auf der gleichen Frequenz.“ Als ich den bekannten Bağlama-Spieler und experimentellen Musiker zum ersten Mal live erlebe, habe ich Glück: per Zufall lande ich auf einem seiner kleinen Privatkonzerte, die genau diese Energie vermitteln. Yıldız spielt barfuß vor einem sitzenden Publikum von ungefähr 30 Leuten im Dachboden einer Bar in Kadıköy. Keiner redet, manche tanzen sitzend auf dem Boden, andere, wie ich, klopfen im Takt auf die Bänke. Die Musik ist rhythmisch, die Stimmung fast spirituell.

An dem Abend verabreden wir uns, uns irgendwann in Berlin zu treffen und mehr über Yıldız und seine Musik zu reden. Als Yıldız, der mit einigen der größten türkischen Musiker gespielt hat – Zülfü Livaneli, Sabahat Akkiraz, Yıldız Tilbe – Anfang August für eine Performance in Berlin ist, treffen wir uns.

Yıldız ist in einem Dorf in Erzincan, im Osten der Türkei, aufgewachsen. Mit ungefähr zwölf Jahren hat er angefangen, Bağlama (oft als Saz bezeichnet) zu spielen. Nach dem Schulabschluss ist er auf das Konservatorium in Istanbul gegangen, um sich weiter ausbilden zu lassen. Zu Studienzeiten spielte Yıldız oft in den Istanbuler „Türkü-Bars“, wo hauptsächlich türkische Volkslieder gehört werden. Nach dem Konservatorium kamen Auftritte mit bekannten Musikern und daraufhin Film- und Serienmusik, die er immer noch produziert. Yıldız mag seinen Lebensunterhalt durch Türkü verdienen, aber man merkt, dass es ihm um viel mehr geht.

 

„Für Aleviten ist die Saz wichtig, jede Familie hat eine. Und wenn nicht jede Familie, dann auf jeden Fall jedes Dorf“

„Für uns ist Türkü etwas Kulturelles, ein Teil unseres Lebens,“ antwortet er auf meine Frage, was ihm Türkü bedeutet. „Ab der Geburt hört man im Dorf am meisten Bağlama, natürlich ist das meine Lieblingsmusik. Obwohl ich die alte Musik liebe, will ich die traditionelle Musik mit neuen Sachen bereichern.“ Laut Yıldız gibt es drei Arten von Türkü-Spielern – die, die traditionell spielen, die, die Pop spielen, und die, die experimentieren. Er gehört zur dritten Gruppe.

Türkü im Wandel

„Alles ändert sich, das ist ganz natürlich“, sagt er. „Ich will diese Veränderung verkörpern!“ Der Impuls kam, als Yıldız anfing mit „Orient Expressions“ zu spielen. Die Zusammenarbeit mit der vierköpfigen Gruppe, die „traditionelle“ und „elektronische“ Musik zusammen mischt, zeigte ihm, was er mit mehr Instrumenten und Technologie erreichen konnte. Mittlerweile arbeitet Yıldız unter anderem mit der experimentellen Gruppe iNSANLAR! zusammen. Auch auf seinem Solo-Album, Cem’ân, experimentiert er mit elektronischen Beats auf traditionellem Türkü.

Türkü in Europa

Am bekanntesten sind jedoch Yıldız’ Zusammenarbeiten. Auftritte in Holland, Polen, oder Ungarn sind nur ein paar Beispiele. Im letzten Jahr hat er mit iNSANLAR! mehrmals in Katerblau gespielt, dessen Publikum er als genau richtig für seine Musik empfindet: „In der Türkei wollen sie immer Halay tanzen. Damit habe ich kein Problem. Hier nehmen die Leute meine Musik nur als Musik wahr, ohne Halay. Sie tanzen einfach wie sie möchten. Das gefällt mir noch besser.“

Neben all den Experimenten bieten Yıldız’ Sets außerdem einen Link zur traditionellen türkischen Musik. Wenn die neuen, jungen Fans, die keinen Bezug zu Türkü haben, anfangen, traditionellen Lieder zu hören, fände er das super. „Die, die Türkü nie gehört haben, können mit unserer Musik etwas anfangen. Vielleicht recherchieren sie die Originale und lieben sie auch.“ Vor allem würde es ihm gefallen, mehr Menschen zu erreichen: „Natürlich muss ich auch Geld verdienen, aber darum tue ich das alles nicht. Je mehr Leute ich erreiche, desto glücklicher bin ich“.

Klingt nach deinem Geschmack? Du kannst Cem auf Spotify hören und ihm auf Facebook folgen!

Matze, Redakteur bei renk., hat das Glück, immer mal wieder türkischen Musiker*innen über den Weg zu laufen. Wenn er in Istanbul ist, lernt er ständig Menschen kennen, die Teil der Istanbuler Indie-Szene sind.

Matzes Pick: Müjde

Fotografie: Sabahattin Kanas

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