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Musik & Tanz

Rap ist jetzt weiblich

Drei Rapperinnen im Interview

Rap. Die Stimme der Unterdrückten, der Minderheiten. Man kann sich gut vorstellen, warum viele Türkeistämmige in Deutschland bei diesem Genre Zuflucht finden – auch wenn Rap noch immer als eine Männerdomäne erscheint. Doch  in Deutschland sind weibliche Rapperinnen keine Seltenheit mehr. Pionierinnen wie MC Lyte oder Queen Latifah haben eine Bühne für weibliche MCs geschaffen. Dazu gehören vor allem Musikerinnen mit türkischen und kurdischen Wurzeln. renk. wollte mehr über drei dieser Powerfrauen erfahren.

Aziza A.

Foto: Aziza A.

Aziza A., geboren und aufgewachsen in Berlin: die erste deutsch-türkische Rapperin in der Musikgeschichte. Auf ihrem ersten Album Es ist Zeit rappte sie sowohl auf Deutsch als auch Türkisch. 2001 veröffentlichte sie das türkischsprachige Album Kendi Dünyam (Meine eigene Welt) im „NuOrientalischen Stil“, wie sie ihre persönliche Mischung aus Soul, Drum ʼnʼ Bass und funky Oriental Arabesk House Electro beschreibt. 2007 und 2009 folgten zwei weitere Alben. Gleichzeitig moderierte sie von 1998 bis 2009 die Radiosendung Haydi Hop auf Radio Multikulti und Funkhaus Europa und trat zusammen mit der Istanbuler Rapperin Sultana auf. Zurzeit arbeitet sie an einem neuen Album.

 

 

Meine drei Alben …

„sind der Soundtrack meines Lebens. Wurzeln sind ein wichtiger Teil, um dein eigenes Sein zu erschaffen. Das heißt nicht, dass ich jeden Tag mit meiner türkisch-deutschen Identität präsent bin.“

Das erste Mal auf der Bühne …

„war ich in der „Fabrik“ in Berlin-Moabit. Das war mein erstes eigenes Konzert. Ich war stolz, aufgeregt, megaaufgeregt. Das ist nun fast zwanzig Jahre her.

Ich habe angefangen, Hiphop / Rap zu hören, als …

„ich Zeugin eines Tanzes wurde, der keine Bühne brauchte, sondern auf Einkaufsstraßen stattfand, und das mit weißen Handschuhen. Etwas total Neues, Aufregendes, das mir sofort ins Blut ging. Zu der Zeit dachte ich nicht einmal daran zu rappen. Ich sog alles auf. Fantastisch, ich liebe diese Zeit immer noch.“

Ich rappe, weil, …

„ich an Wunder glaube. Rap hat eine unvergleichliche Ausdruckskraft.“

Rap ist für mich, …

„Selbstausdruck, Liebe, Wunder. Und es macht mir unendlich viel Spaß!“

 

Tice

Foto: Alexander Majewski

Tice, Düsseldorfer Straßenrapperin, in Ankara geboren, aufgewachsen in der Nähe von Düsseldorf. Mit fünfzehn fing sie an zu texten. Noch vor ihrem achtzehnten Geburtstag verließ sie das Elternhaus, um ihren eigenen Weg zu gehen. 2014 erschien ihre erste EP Each One Tice One, im darauffolgenden Jahr die nächste, Trümmerfrau. Ihre Stücke erinnern an einen Oldschool-Stil, der auf glänzende Beats verzichtet. Mit ihrer einzigartig kratzigen Stimme erzählt Tice von innerlichen Kämpfen, jede Zeile geht unter die Haut. Dieses Jahr erschien ihre neue EP Baklava. Seit September ist sie mit Rapperin Sookee auf Tour.

 

Das erste Mal auf der Bühne …

„habe ich vor Nervosität mehr auf den Boden gestarrt, als ins Publikum gesehen. Ich war fünfzehn, das ist jetzt etwa siebzehn Jahre her. Heute passiert mir das nicht mehr.“

Ich rappe auf Deutsch, weil …

„es die Sprache ist, in der ich mich am besten ausdrücken kann. Deutsch ist eine schöne Sprache, die der Dichter und Denker.“

Ich rappe, weil …

„die Musik der beste Weg ist, meine Gedanken und Gefühle auszudrücken. Ich habe es immer als eine Art Therapie gesehen. Ich nehme kein Blatt vor den Mund.“

Meine Top-MCs sind …

„2Pac, Big L, Sean Price, The Notorious B.I.G., Lauryn Hill, Busta Rhymes, Vinnie Paz und viele, viele mehr.“

Rap ist für mich …

„Leidenschaft, Ausdruck, Leben.“

 

Ebow

Foto: Magdalena Fischer

Ebow leiht der deutschsprachigen Rapszene eine neue, politische Stimme. Die Münchener Architektur-Studentin, Jahrgang 1990, sang die Titelmelodie für die 2010 erschienene Doku Töchter des Aufbruchs vom Regisseur Uli Bez. Zwei Jahre später brachte sie das halbstündige Musikvideo Habibi’s Liebe und Kriege heraus. In ihren Texten, die gesellschaftliche Themen wie Geschlechterrollen oder Waffenexporte sozialkritisch kommentieren, hört man den Einfluss von Rapperinnen wie M.I.A., einer ihrer Lieblings-MCs. 2013 folgte ihr erstes und gleichnamiges Album, 2014 die Single Paramide mit Filmemacher und Musiker Mirza Odabaşı. Die Einnahmen daraus wurden an die Bewohner Kobanes gespendet. Seit 2016 ist sie auch Teil der Hiphop-Gruppe Gaddafi Gals.

 

Als deutsch-türkisch-kurdische Frau im Rapgame …

„werde ich oft darauf reduziert, eine deutsch-türkisch-kurdische Frau im Rapgame zu sein.“

Rap habe ich …

„schon immer gehört, aber wirklich spannend wurde es für mich, als ich zum ersten Mal Missy Elliott hörte.“

Wenn ich sexistische Kommentare höre, …

„werde ich sehr direkt mit meinen Antworten. Ich habe null Toleranz für sowas, genauso wenig wie für Homophobie, Transphobie, Islamophobie und alle anderen Dummheiten, die sich als Phobie tarnen.“

Ich rappe auf Deutsch, weil …

„Rap, der sehr stark von Slang und Wortwitz geprägt ist, einer deutschen Muttersprachlerin viel mehr Spielraum bietet. Vor der türkischen Sprache im musikalischen Kontext habe ich einfach viel zu viel Respekt.“

Meine Top-MCs sind …

„2Pac, Missy Elliott und M.I.A.“

Rap ist für mich …

„Hayat, Life, Leben“

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