Die Stadt mit hundert Namen

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Ok, hundert sind es vielleicht nicht ganz, aber viele!

Unter Griechen war es üblich, Istanbul die Poli (Stadt) zu nennen. Also einfach die Stadt. Man sagt, sie habe mittlerweile rund zwanzig Millionen Einwohner. Das würde bedeuten, dass bei einer Gesamtpopulation der Türkei von fast 80 Millionen Einwohnern, jeder vierte Türke in Istanbul lebt. Oha!

Auch ich lebte ein Jahr dort und wurde von meinen Freunden oft gefragt, was ich mir in der Türkei denn sonst noch angesehen hätte. Ich war bisher in nur einer weiteren Stadt, nämlich Eskişehir, weil ich den Eindruck hatte, Istanbul nicht unbedingt verlassen zu müssen, um zu reisen, zu entdecken und zu erleben. Die Stadt allein ist schon so vielschichtig und überwältigend. Die sehenswerten Moscheen beispielsweise. Ich besuchte die Sultan-Ahmed-Moschee schon zwei Mal. Man kann sich kaum satt sehen an den floral verzierten Fliesen in den strahlenden Grün- und Blautönen, die zusammen ein Mustermeer ergeben. Deshalb wird in Europa das Gotteshaus auch Blaue Moschee genannt.

Constantinopel 1900
Der Innenraum der Blauen Moschee

Kurz bevor ich diesen Sommer wieder nach Deutschland zog, schaute ich mir noch den Dolmabahçe Sarayı an. (Stand schon ewig auf meiner To-Do-Liste.) Der weiße Palast wird seit Mitte des 19. Jahrhunderts von den Sultanen und ihren Familien, damals im Harem lebend, genutzt. Eingerichtet ist der Palast am Bosporusufer nach osmanischem Historismus. Weitere Elemente stammen aus der europäischen Renaissance und dem Barock. Viele Nationen beschenkten die Sultane und den Palast mit einigen ihrer edelsten Gütern. Ich erinnere mich an zwei Bärenfelle, die achsensymmetrisch in einer ca. 200 Quadratmeter großen Halle lagen. Mitten im Raum ein tonnenschwerer Kronleuchter aus englischem Kristall. Kurz: Der beste und teuerste Prunk überhaupt. Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts wird der Palast beispielsweise auch für Tagungen von Atatürk genutzt, bis der Republikgründer im „Palast der vollen Gärten“ stirbt.

Constantinopel 1900
Der Dolmabahce Palast am Ufer des Bosporus

Stin póli ist griechisch, klingt fast wie Istanbul, und bedeutet “in die Stadt”. Wir springen jetzt ein bisschen in der Geschichte, vergessen kurz nochmal Atatürk und nennen Istanbul noch Byzantion. Kaiser Konstantin der Große beschließt nach einem großzügigem Ausbau von Byzantion einen Namenswechsel: Nova Roma. Das bedeutet ‚das neue Rom‘. Einige Jahre später, nachdem sich Konstantin von dieser Welt verabschiedet, wird die Stadt offiziell in Constantinopolis, Stadt des Konstantin, umbenannt und bleibt bis zur Eroberung der Osmanen im Jahr 1453 die Hauptstadt des Oströmischen Reiches. Konstantinopel wird in Überlieferungen auch als die ‚Stadt der sieben Hügel‘ beschrieben. Das kann ich bestätigen. Definitiv hügelig, Muskelkatergarantie für die Waden und eher fahrradfahruntauglich!

Constantinopel 1900

Ab circa 1930 setzt sich Istanbul als Name auch international durch. Weitere inoffizielle Namensschwenker macht Istanbul mit Dersaadet (Pforte der Glückseeligkeit) und Islambol (vom Islam erfüllt).

Constantinopel 1900

Nennt sie wie ihr wollt. Die Metropole ist definitiv einen Besuch wert!

 

Credits

Quellen zu den Fotografien findet ihr hier.

Text: Darwin Stapel

 

Was Darwin in Kilyos erlebte, zeigt er euch fotografisch und in Wort in „Gestrandet – Ein Tag in Kilyos“.

darwinstapel_renk_gestrandet.04
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