Yoga dekolonisieren

Ist mein Yoga-Kurs problematisch?

Yoga ist viel mehr als ein Sport. Yoga ist eine Philosophie, die das ganze Leben und Denken durchdringt. Diese Weltanschauung ist in einen achtgliedrigen Pfad unterteilt und der dritte, Asanas, gilt auch tatsächlich der körperlichen Betätigung. Doch Asanas hat zum Ziel, den Körper auf tiefe Meditationen vorzubereiten, die Geist und Körper einen und zur Erleuchtung führen. Wenn wir von Yoga reden, meinen wir meistens nur ein Workout. Aber warum ist das nun problematisch?

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Kulturelle Aneignung

Während der britischen Kolonialherrschaft auf dem indischen Subkontinent war es Inder*innen verboten Yoga als Lebensstil zu praktizieren. Britische Soldaten haben wiederum Asana-Übungen in ihre Sportroutine inkorporiert. So entwickelten sich die uns heute bekannten Posen, wie z.B Adho mukha svanasana, der herabschauende Hund. Beim Yoga, das wir ausüben, handelt es sich somit um ein koloniales Produkt, welches erst durch kulturelle Aneignung entstanden ist. 

Kulturelle Aneignung beschreibt einen Prozess, bei dem sich eine dominante Gruppe Kulturgüter (z.B Praktiken, Symbole, Rituale, Kleidung, Hairstyles) einer marginalisierten Gruppe zu eigen macht und die Ursprünge, sowie die Mitglieder, der Kultur, die sie sich aneignen, nicht anerkennt. Die Yoga-Kultur wurde den kolonisierten Inder*innen also entrissen, für die westlichen Bedürfnisse aufbereitet und dann importiert. Es resultiert eine milliardenschwere Industrie.


Yoga als Milliarden-Industrie

Seit den 1990ern boomt die Yoga-Industrie im Westen. Als Fitnesstrend brachte sie es 2022 global auf einen geschätzten Wert von 97 Milliarden Euro. Kein Cent davon fließt zurück nach Südasien. Vor allem große Marken wie Lululemon sind zu problematisieren, denn sie drucken heilige sanskritische Phrasen auf ihre Klamotten und verkaufen sie dann unter dem Slogan „This is Yoga”. Dabei steht die Yoga-Philosophie klar für Genügsamkeit und gegen Gewinnmaximierung.  Hinzu kommt, dass diese Brands in ihren Werbekampagnen selten Südasiatinnen casten. Yoga wird als Sport der weißen Frau verkauft. 

Die Unterrepräsentation von Südasiat*innen im Yoga

Es herrscht eine starke Unterrepräsentation von indischen und südasiatischen Yoga-Lehrenden und Yoga-Lernenden in der westlichen Welt. Millionen von ihnen leben in Europa, Australien und Nordamerika, doch selten leiten sie Studios, gründen eigene Bekleidungsmarken oder sind Teil des Akkreditierungsverfahrens. Wie kann es sein, dass sie sich in der westlichen Yoga-Bubble weder respektiert, akzeptiert, noch sicher fühlen?

Arundhati Baitmangalkar erklärt: ,,When I speak to my fellow Indians, they share many stories about how the yoga they see in studios isn’t actually yoga but merely a workout. Or how the teachers can’t pronounce their names and they rarely or never see another yoga teacher from their culture. If you throw in teachers misusing namaste and behaving disrespectfully (whether consciously or not) with regard to other aspects of Indian culture…well, it all adds up and has sadly marginalized Indian and South Asian yoga teachers and students.

Wie kannst du zu einer Dekolonisierung des Yogas beitragen?

Zunächst solltest du dir die Geschichte des Yogas genau anschauen. Viele Instagram-Kanäle beschäftigen sich aktiv mit einer Dekolonisierung und bieten kostenfreie Bildungsarbeit an. Gerne kannst du diese Informationen online teilen, um auch andere auf die Problematik aufmerksam zu machen.

Solltest du selbst regelmäßig Yoga-Kurse besuchen, achte darauf, wie inklusiv diese sind: Von wem werden sie geleitet, wer partizipiert? Auch kannst du deine Kursleiter*innen auf die kulturelle Aneignung ansprechen und schauen, ob sie sensibilisiert für die Thematik sind. Wenn ja: super. Wenn nein: Biete ihnen Ressourcen zum Lernen an! An der besten Adresse bist du ohnehin bei Studios, die von Menschen mit südasiatischem Background geleitet werden – so unterstützt du sie finanziell und förderst ihre Repräsentation im Yoga.

Natürlich ist das Thema noch sehr viel weit gefächerter und wir können es in diesem Post nicht in seiner ganzen Komplexität aufschlüsseln. Deswegen höre im Zweifelsfall immer den Menschen zu, die historisch und aktuell am meisten von der westlichen Vereinnahmung des Yogas betroffen sind!

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