adressarrow-left Kopiearrow-leftarrow-rightcrossdatedown-arrow-bigfacebook_daumenfacebookgallery-arrow-bigheader-logo-whitehome-buttoninfoinstagramlinkedinlocationlupemailmenuoverviewpfeilpinnwand-buttonpricesine-wavetimetwitterurluser-darwinyoutube
Gesellschaft & Geschichten

Tea time à la Turka

Mit Ali, Ayşe und Hans

Als Türke hat man es in Deutschland schon nicht einfach – diesen Satz können viele meiner Landsleute schon gar nicht mehr lesen, geschweige denn hören, ich auch nicht. Warum er Deutschtürken zwar mittlerweile aus den Ohren heraushängt, aber trotzdem für ein gemeinsames Zusammen leben notwendig ist…

Bir varmış bir yokmuş… – Es war einmal…

Genauso märchenhaft erinnert man sich immer an die ersten Gastarbeiter zurück, die in den 1950er-Jahren nach Deutschland kamen, um nach einigen Arbeitsjahren wieder in die Heimat zurückzukehren. Heute sind viele von ihnen längst kein misafir (Gast/Besucher) mehr, sondern ein Teil Deutschlands, und das mittlerweile seit über zwei Generationen. Auch wenn unsere Großeltern mit dem Ziel hierher kamen, irgendwann wieder in die Türkei zurückzukehren, haben sich viele ihrer Nachkommen ein Leben hier in Almanya (Deutschland) aufgebaut und das – entgegen aller Vorurteile – sogar sehr erfolgreich. So stieg die Anzahl der Selbstständigen mit Migrationshintergrund zwischen 2005 und 2014 von 567.000 auf 709.000, bestätigt eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung. Zudem ist der Studie zufolge die Selbstständigenquote der Erwerbstätigen mit ausländischen Wurzeln in Berlin mit 20 % am höchsten. Wundert mich das? Eher nicht, wenn man bedenkt, dass es allein dort rund 1000 Spätis gibt, von denen 70 % der Inhaber türkischer Herkunft sind.

Mehr als nur Ali Amca der Gemüsehändler oder Ayşe Teyze mit dem Kopftuch

Dennoch haben insbesondere Menschen mit Migrationshintergrund häufig mit vielen Hindernissen zu kämpfen. Sei es bei der Bewerbung um einen Job, Behördengängen oder auch einfach nur im Alltag. Eine Unternehmensumfrage der Bertelsmann Stiftung aus dem Jahr 2015 belegt, dass 60 % der deutschen Unternehmen noch nie einen Ausbildungsplatz an einen Jugendlichen mit Migrationshintergrund vergeben haben. Gründe dafür sind Vorurteile gegenüber bestimmten Bevölkerungsgruppen und diskriminierende Auswahlverfahren von Personalern. Für viele ist bereits ein ausländisch klingender Name wie Ali oder Ayşe ein Ausschlusskriterium, da er in vielen Köpfen vorhandene Schablonen und Stigmata vollends bedient.


Als Migrant hat man oft nicht die Deutungshoheit über seine Identität. Diese
wird einem von der Mehrheitsgesellschaft verliehen, und genau diese ist somit auch dafür verantwortlich, wie Migranten nach außen hin dargestellt werden. Da ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass beispielsweise seit fünfzig Jahren das gleiche Bild des integrationsunwilligen Problem-Türken vermittelt wird. Dabei gilt es genau diese ganzen Klischees aufzubrechen, indem man selbst mit gutem Beispiel vorangeht. Viele Künstlerinnen und Künstler spielen bewusst mit diesen Vorurteilen, um die Gesellschaft darauf hinzuweisen, dass sie heute schon längst Schnee von gestern sind und um selbst den verbissenen Multikulti-Kritikern zu zeigen, dass es sehr wohl auch anders geht – ganz egal wo man herkommt.

Nach dem Motto „Alle für einen und einer für alle!“ sollten wir alle mehr aufeinander zugehen und die Werte „Einheit“ und „ Solidarität“ neu definieren. Wie? Ganz einfach: Indem wir uns stärker auf die Talente eines jeden fokussieren, zu Multikulti-Brückenbauern werden und Interkulturalität als gesellschaftliche Bereicherung akzeptieren.

Tea time à la Turka: Willkommen in der Welt von Çay, Kurabiye und Co

Jeder hat doch sicher diesen einen netten, zuvorkommenden Nachbarn von nebenan, der einen immer grüßt, oder die Arbeitskollegin, die einem jeden Morgen ein Lächeln schenkt. Wieso nicht einfach mal zum gemeinsamen Çay verabreden, natürlich ganz traditionell türkisch mit Keksen und Co? Wir [Türken] haben doch eh immer viel zu erzählen und ein offenes Ohr findet man bei uns auch. Außerdem nimmt auch der nette Nachbar Hans die Einladung zum Tee sicher dankend an – wer kann türkischem Tee schon widerstehen? Und nachdem Hans den selbstgemachten Kuchen von Ayşe Abla probiert und sich das Rezept notiert hat, hat er bestimmt genauso viel zu erzählen. Glaubt mir, so ein Gespräch über Gott und die Welt wirkt wahre Wunder und bringt uns näher zusammen, als ihr vorerst glaubt. Hadi bakalım, los geht’s! Auf geht’s!

Text: Çağlar S. Efe
Foto: Shutterstock

Nächster Artikel

Musik & Tanz

Rockrebellion mal anders

Pianistin Ayse Deniz Gokcin kombiniert klassische Musik mit Grunge Rock

Lust auf Lecker Newsletter?