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Kunst & Design

Fotografin Deniz Alaca – Je weniger, desto besser

Ob Kapstadt, Sardinien, New York oder Stuttgart, Deniz hat ihre Kamera immer im Gepäck und überzeugt durch einen authentischen Stil und die Gabe zum richtigen Moment auf den Auslöser zu drücken. Ihre Fotos erzählen Geschichten und ziehen den Betrachter in ihren Bann. Wir treffen Deniz Alaca im Hüftgold in Stuttgart auf einen Milchcafe.

Auf deiner Website habe ich eine Fotostrecke entdeckt, bei der du zwei Balletttänzer in einem Kunstatelier fotografiert hast. Kannst du uns mehr über dieses Projekt erzählen?

Die Tänzer tragen die Abschlusskollektion einer Freundin, die Modedesign in Pforzheim studiert hat und selbst einmal Balletttänzerin war. Das ganze war ihr Konzept und ihre Idee. Während die Fotos entstanden, wurde auch gefilmt. Die Beiden in Aktion zu fotografieren, war toll. Tänzer kennen ihren Körper, haben eine unglaubliche Spannung aber auch Haltung. Mimik und Gestik sind besonders ausdrucksstark.

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Angefangen hat bei Dir alles mit der Malerei.

Schon in meiner Kindheit habe ich Menschen gemalt und später Kunst als Leistungskurs in der Schule gewählt. Ich dachte, dass ich Illustratorin werden würde und begann nach meinem Auslandsaufenthalt Visuelle Kommunikation in Stuttgart zu studieren.
Durch Praktika in verschiedenen Agenturen stellte ich aber fest, dass ich in dem Bereich nicht arbeiten wollte. Gegen Ende des Studiums schenkte mir mein Bruder eine Kamera. Ich fing an Familie, Freunde, Brüder und Neffen zu fotografieren und postete die Bilder auf Facebook. Meine Connections zu den Agenturen, bei denen ich bereits Praktika absolviert hatte, brachte dann alles ins rollen. Immer wieder bekam ich Anfragen ob ich nicht hier oder dort Fotos machen könne. Ich habe nie geplant Fotografin zu werden. Eigentlich dachte ich immer, dass ich Malerin werden würde.

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Das hat deine Fotografie sicherlich nachhaltig geprägt.

Ja, ich liebe es, Menschen zu beobachten. Besonders beim Zeichnen habe ich immer genau hingesehen. Dieser Blick beeinflusst natürlich meine Fotos.
Nach meinem Uniabschluss habe ich ganz naiv meiner Lieblingsfotografin Anna Woolf geschrieben. Sie antwortete tatsächlich und sagte: „Komm vorbei!“
Ich assistierte ihr ein halbes Jahr lang in New York und lernte dabei unglaublich viel. Ich war immer dabei am Set, erlebte mit Teams von 40 Leuten zu arbeiten und lernte wie man mit Kunden spricht. Zurück in Deutschland habe ich mich dann als Fotografin selbstständig gemacht.

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Jetzt bist du schon ganz schön rumgekommen. Deine Fotos sind in Südafrika und der Karibik, auf Sardinien und in New York entstanden. Was nimmst du mit von deinen Reisen?

Ganz neuen Input und neue Inspiration. Für das Reisen gebe ich auch das meiste Geld aus. Aber ich muss nicht immer so weit weg, auch in Deutschland gibt es tolle Orte zu entdecken. Durch die Fotos, die während meinen Reisen entstehen, bekomme ich neue Anfragen aus dem Ausland. Eines meiner nächsten Projekte führt mich nach Asien, wo ich eine Hotelkette in Honkong, Taiwan und Thailand fotografieren werde. Es wird sicherlich ziemlich anstrengend, denn ich bin nicht länger als drei Tage in jedem Land. Die Jobs ergeben sich so, ich selbst kam nie auf die Idee Reisebilder zu machen.

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Auf deinem Blog habe ich eine Fotoserie entdeckt, bei der du 16-Jährige in ihren eigenen Zimmern porträtiert hast. Entdeckst du Parallelen zwischen diesen Jugendlichen und deiner Zeit als Teenager?

Natürlich erkenne ich mein 16-jähriges Selbst in den porträtierten Jugendlichen wieder. Die Fotoserie war eins meiner ersten Uniprojekte. Die Idee war, Jugendliche mit türkischen, griechischen oder italienischen Wurzeln, die in Deutschland zuhause sind, zu fotografieren. Auf den Fotos sind zunächst ganz normale Teenager zu sehen aber wenn man genauer hinsieht, kann man doch irgendwo das Poster der italienischen Fussballmannschaft, das türkische Nazar Auge oder eine griechische Flagge entdecken. Ich werde häufig auf das Thema Integration angesprochen, das ist meine Antwort darauf.

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Deine Fotografie ist sinnlich und sehr lebendig, was geht Dir durch den Kopf, wenn du deine Bilder betrachtest oder an einem neuen Projekt arbeitest?

Ich möchte, dass meine Bilder echt und authentisch sind. Fotos sind fast immer inszeniert. Ich möchte hingegen durch Licht und Perspektive eine Stimmung erzeugen, die beim Betrachter Emotionen auslöst. Deshalb kann ich auch nicht viel mit Studio- und Modefotografie anfangen. Ich schaue mir viel lieber Foto-Dokumentationen an.

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Das heißt, du arbeitest wahrscheinlich auch mit wenig Equipment.

Je weniger, desto besser. Ich verwende kein Lichtaufbau und habe eigentlich nur meine Kamera dabei. Auch das Team halte ich am liebsten so klein und intim wie möglich. Alles soll easy und simpel sein. Ich möchte für natürliche Fotografie bekannt sein.

Gibt es derzeit ein Herzensprojekt, an dem du arbeitest?

Ich möchte gern wieder für längere Zeit auf Reisen gehen. Mein Vater ist Kurde und deshalb will ich nach Ostanatolien, um das Dorf meines Papas zu besuchen. Ich war seit zehn Jahren nicht mehr in der Türkei. Als Kind musste ich jedes Jahr sechs Wochen in den Sommerferien durch die Türkei reisen, als ich dann alt genug war, hatte ich kein Bock mehr darauf. Mittlerweile war ich viel unterwegs in der Welt – nur nicht in der Türkei. Ich möchte das Land gerne neu entdecken.

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Credits
Text: Lena Elbert
Fotograf: Ridvan Cavus

Weitere Auszüge aus dem Portfolio von Deniz Alaca

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