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Kunst & Design

„No Escape“ mit Angelika J. Trojnarski

Die Arbeiten von Angelika beruhen auf der Liebe zur Natur. Ob es daran liegt, dass sie aus einem der schönsten Fleckchen Polens stammt – den Masuren?

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Bei unserer Ausstellungsreihe von „Liebes Wedding“ sehen wir eine ganz besondere Wandarbeit von dir. Wovon handelt sie?
In der Ausstellung bin ich mit zwei Arbeiten vertreten: Einem riesigen, über die gesamte Wand gesprühten schwarzen Kreis und den im Vordergrund aufgestellten hellen Keramikarbeiten. Die glasierten Keramiken sind nachgeformte Schnäbel unterschiedlicher Zugvögel und sie thematisieren in erster Linie den Magnetsinn der Tiere und den Elektromagnetismus. Dargestellt wird somit ein noch unerklärtes Naturphänomen!
Andererseits berühren die Schnäbel auch das Thema Migration und sind ein Synonym für die Verschiebung von Lebensräumen bei Mensch und Tier – sehr passend zur heutigen Lebenssituation.
Mit dem aufgesprühten schwarzen Kreis schlage ich eine Brücke von den Vögeln zu den Schwarzen Löchern in der Astrologie. Steht der Betrachter vor dieser Schwärze, nimmt er eine Beruhigung seines Sehens wahr, da er visuell von nichts anderem abgelenkt wird. Er wird auch förmlich angezogen, eingenommen, umhüllt und fast verschluckt. Wie bei den realen Schwarzen Löchern eben.

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Hier kann man auch eine wunderbare Parallele zur Liebe ziehen, denn auch von ihr wird man genüsslich aufgesogen – und es gibt kein Entkommen, No Escape! Ein großartiger Gefühlszustand!
Doch weder die Liebe noch die Schwarzen Löcher lassen sich heute schon vollends begreifen oder analysieren. Es gibt Beobachtungen, Klassifizierungen und Theorien zu den Schwarzen Löchern, doch noch keine Aufnahmen aus dem Inneren eines solchen. Des weiteren auch die Frage: wie lässt sich Liebe messen?

Trojanskis Objekte „Beaks“ sind aus glasiertem Keramik, Edelstahl und Steinen

Ist diese Arbeit eine Reflexion deiner persönlichen Migrationsgeschichte von Polen nach Deutschland?
Ja, das kann man tatsächlich sagen. Ich bin im polnischen Mrągowo geboren, einer kleinen Ortschaft in den Masuren. Im Sommer 1989 bin ich mit meinen Eltern und meinen Geschwistern nach Deutschland gezogen.
Eine gewisse Verbindung zu Deutschland bestand schon vorher, da meine Oma aus Deutschland stammte. Sie hat sich in einen polnischen Soldaten verliebt und blieb nach dem Krieg einfach in Polen. Allerdings hat sie uns leider kein Deutsch beigebracht. Die Sprache lernte ich erst nach unserem Umzug.

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 Darf man also sagen, dass die Naturverbundenheit in deinen Arbeiten durch deine Kindheit in Polen geprägt ist?
Absolut, denn ich bin aufgewachsen zwischen traumhaften Seen, Mooren und Wäldern. Als Kind aus dieser Naturidylle in die Stadt Düsseldorf zu ziehen, war schon ein gewaltiger Kontrast.
Viel später, erst als Künstlerin begann ich mich dann für die profunden Prozesse und Zusammenhänge in der Natur zu interessieren. Nicht zwangsläufig für die der Biologie, sondern eher für die der klassischen Physik. Bei meinen Recherchen lerne ich sehr viel und die materielle Welt wird immer schlüssiger für mich.
Mein Fazit dabei: Wenn man etwas Fremdes zu verstehen beginnt, fällt es einem leichter es zu lieben. Das ist wie mit fremden Kulturen!

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Naturwissenschaft klingt immer so rational. Bist du ein Kopf- oder Herzmensch? Sowohl als auch. Kunst ist sehr emotional, Physik sehr rational.
Meine Ideen entstehen aus einem Gefühl und einem immanenten Interesse und Eifer heraus, wobei der Fokus auf den Naturkräften und nicht auf dem Menschen als Person liegt. Und um deine Frage zu beantworten: Ich bin ein Herzmensch mit Liebe zur Naturwissenschaft.

Wenn du unser Handeln als naturwissenschaftliches Konstrukt ansiehst: Was bedeutet dann Tradition für dich?
Ich finde, Tradition ist sehr wichtig und ein Teil der Identität, wobei ich nicht alle gängigen globalen Bräuche für gut befinde. Aber die schönste polnische Tradition für mich ist das Teilen der Oblate an Weihnachten. Und diese wird uns immer noch jährlich aus Polen zugeschickt. Man wünscht jedem am Tisch etwas Schönes für das kommende Jahr; mittlerweile läuft dies bei uns jedoch auf Deutsch ab, da die deutschen Ehepartner so ihre Verständnisschwierigkeiten haben.

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Angelika Trojnarskis Arbeiten sind noch bis einschließlich 21. Oktober in der Montagehalle, Malplaquetstraße 25 im Rahmen unserer Liebes Wedding-Ausstellung zu sehen. Die Öffnungszeiten sind mittwochs von 11-15 Uhr und donnerstags-samstags von 16 bis 20 Uhr.

 

Credits
Text: Julia Boos
Fotografie: Anna Szkoda

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Komm zur Liebes Wedding Lesung am Samstag, den 15.10. in der Bibliothek am Luisenbad. Matthias Nawrat („Die vielen Tode unseres Opas Jurek“), Alexandra Tobor („Minigolf Paradiso“) und Salome Dastmalchi für Deniz Utlu („Die Ungehaltenen“) lesen aus ihren Romanen und diskutieren anschließend mit der freien Autorin Ceyda Nurtsch, inwiefern sie ‚für uns’ und ‚für euch’ reisend und schreibend unterwegs sind.

Petra Nachtmanova wird den Abend musikalisch mit ihrer Baglama begleiten:

Zu Gast bei Bağlama-Spielerin Petra Nachtmanova

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