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Gesellschaft & Geschichten

Şeyda erklärt den „Tag der Republik“

Vor 93 Jahren, am 29. Oktober 1923 wurde die türkische Republik durch Mustafa Kemal Atatürk ausgerufen. Offiziell anerkannt wurde die Republik allerdings drei Jahre später und Atatürk wurde zum ersten Präsidenten der Türkei gewählt. Damit endete die langjährige Herrschaft des Osmanischen Reiches und des Sultanats. Um ein demokratisches und laizistisches Land zu werden, wurden tiefgreifende Gesetze im politischen, wirtschaftlichen, juristischen sowie sozialen Bereich und auf Bildungsebene verabschiedet, die das ganze Land von Kopf bis Fuß, im wahrsten Sinne des Wortes, veränderten.

Leitvorstellungen eines pragmatischen Denkens

Nachdem das Land von den Feinden befreit wurde, sollte das politische Reformwerk ins Rollen gebracht werden. Dabei sind die sogenannten „sechs Prinzipien“ kennzeichnend, die nach wie vor dem türkischen Staat zugrunde liegen und eigentlich auch heute in der Politik präsent sein sollten.

1. Nationalismus

Heutzutage ist der Begriff negativ konnotiert. Damit wurde aber die nationale Souveränität nach den Befreiungskriegen gekennzeichnet. Jeder Bürger auf türkischem Boden sollte sich demnach mit dem befreiten Land identifizieren können. Wichtig war vor allem, dass dieses patriotische Empfinden ohne aggressive Tendenzen nach außen gezeigt werden sollte.

2. Populismus

Damit wird die Mobilisierung des Gemeinsinns zum Ausdruck gebracht. Eine Nation kann sich laut diesem Prinzip weiter entwickeln, wenn alle Bürger Hand in Hand arbeiten und ihre gesamte Stärke zeigen. Populismus meint weiterhin, dass alle Menschen vor dem Gesetz absolut gleich behandelt werden und es keinerlei Unterschiede geben soll. Frauen erhielten daher 1930 das Wahlrecht. Die Schulpflicht und das lateinische Alphabet wurden eingeführt. Um die türkische Sprache für jeden Bürger zugänglich zu machen, wurde sie modernisiert, persische und arabische Wörter wurden durch türkische Vokabeln ersetzt. Des Weiteren wurden die geistlichen Scharia-Gerichte abgeschafft und ein bürgerliches Gesetzbuch nach Schweizer Vorbild eingeführt. Im Zuge dessen emigrierten viele deutsche Wissenschaftler aus Hitler-Deutschland in die Türkei und halfen beim Aufbau der Universitäten.

Unter dieses Prinzip fielen zudem folgende Neuerungen: die Abschaffung des türkischen Fes und die Einführung westlicher Kleiderordnung, die Einführung des Gregorianischen Kalenders und der europäischen Maß- und Gewichtsysteme. Bis 1934 hatten die Türken keine Familiennamen. Die wurden erst ab diesem Jahr eingeführt und jeder Staatsbürger erhielt einen Personalausweis.

3. Republikanismus

Mit diesem Prinzip wurden letztendlich die Einführung der öffentlichen Staatsgewalt und der Weg in die Demokratie publik gemacht. Diese unterlag nun nicht mehr dem Sultan als Monarchen, sondern versteht den Präsidenten als neues Staatsoberhaupt.

4. Laizismus

Unter Laizismus versteht man die säkulare Trennung von Religion und Politik aus dem gesamten öffentlichen Leben. Darunter war jedoch kein Religionshass zu verstehen, sondern vielmehr, dass die Religion schlichtweg Privatsache zu sein hat.

5. Etatismus

Damit ist das Eingreifen des Staates in die Wirtschaft gemeint. Nach den Befreiungskriegen war der wirtschaftliche Zustand der Türken miserabel. Den Bauern wurde damit bspw. die Zehntel-Steuer erlassen und es gründeten sich Genossenschaften. Im Zuge dessen wurde auch die Eisenbahnstrecke ausgeweitet.

6. Revolutionismus

Diese Bezeichnung ist mit „Reformismus“ gleichzusetzen. Das letzte Prinzip der Leitvorstellungen Atatürks sollte zum Ausdruck bringen, dass die Veränderungswelle in den anderen fünf Prinzipien nicht zu einem absehbaren Ende kommen dürfe. Das heißt, lähmende Erstarrungen sollten vermieden und stattdessen die Motivation gestärkt werden, sich immerfort weiterzuentwickeln.

 

Foto: Shutterstock.com

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